Kremlchef Medwedew feuert Moskaus Bürgermeister Luschkow

Bürgerrechtler begrüßen das Machtwort des Präsidenten

Moskau. Politisches Erdbeben in Russland: Nach Vorwürfen der Korruption und Vetternwirtschaft hat Kremlchef Dmitri Medwedew den einflussreichen Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow entlassen. Er habe das Vertrauen in den 74-Jährigen verloren, sagte der Präsident bei einem Besuch in China dem russischen Fernsehen.

Bürgerrechtler begrüßten Medwedews Machtwort. Der 1992 ins Amt gekommene Luschkow galt lange als Vertrauter von Regierungschef Wladimir Putin, der ihm nach zunehmender Kritik aber zuletzt die Unterstützung verweigerte. Putin gab Luschkow eine Mitschuld an seiner Entlassung. Zwar habe der Bürgermeister viel für Moskau getan, sagte der Regierungschef. Luschkow hätte im Streit mit dem Präsidenten aber einlenken müssen. Medwedew habe in völliger Übereinstimmung mit seinen Kompetenzen gehandelt.

Kommentatoren bezeichneten den Fall Luschkow als schwerste innenpolitische Krise Russlands seit zehn Jahren. Luschkow hatte die russische Metropole 18 Jahre lang mit harter Hand regiert. Nach seiner Entlassung trat er demonstrativ aus der von Putin geführten Partei aus, zu deren Gründungsvätern er gehörte. Die Hetzkampagne in den Medien der vergangenen Wochen habe ihn zutiefst verletzt, schrieb er in einer Erklärung. Er bleibe aber politisch aktiv.

Sein Rauswurf gilt als erster echter Machtbeweis von Medwedew. Die Amtsgeschäfte des als selbstherrlich und autoritär kritisierten Luschkow übernahm zunächst der Erste stellvertretende Bürgermeister Moskaus, Wladimir Ressin.