Putin wettert gegen seine Opposition und den Westen

Während einer Testfahrt in einem Lada kommt Russlands Regierungschef richtig in Fahrt

Moskau. Ob wie früher als Präsident oder jetzt als Regierungschef, Wladimir Putin hält das Steuer in Russland fest in der Hand - auch wenn es diesmal nur das Lenkrad eines Lada Kalina ist. Der stets auf medienwirksame Auftritte bedachte Regierungschef testet mit dem Kleinwagen der größten russischen Automarke in Sibirien eine neue Schnellstraße. Doch dem mitfahrenden Redakteur Andrej Kolesnikow von der Zeitung "Kommersant" macht Putin schnell klar, dass dies kein gemütlicher Ausflug ist. Während der 180 Kilometer langen Fahrt nahe der chinesischen Grenze beschimpft Putin die demokratische Opposition als "Provokateure" und sieht das Riesenreich von Feinden umzingelt.

Richtig in Fahrt kommt Putin, als das Gespräch auf die Regierungsgegner kommt. Wer an einer nicht genehmigten Kundgebung teilnehme, müsse mit Ärger rechnen. "Wo man nicht zusammenkommen kann, bekommt man den Knüppel auf die Rübe", verteidigt der Ex-KGB-Offizier fast im Genossen-Slang das oft brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte. Die Demonstranten würden die Prügel provozieren.

Auch der Westen kommt schlecht weg. "Als die Sowjettruppen aus Europa abzogen, versprach die Nato, sich nicht über die damaligen Grenzen zu erweitern. Wir wurden betrogen", kritisiert Putin. Auch im russisch-amerikanischen Verhältnis gebe es nach wie vor Probleme. Trotzdem will er an den von US-Präsident Barack Obama angekündigten Neustart in den Beziehungen glauben: "Ich spüre, dass dies seine aufrichtige Haltung ist."

( (dpa) )