Rote Karte für Störenfriede im Unterhaus

London. "Ordnung! Ordnung!", ruft John Bercow, um im Londoner Unterhaus für Ruhe zu sorgen. Er hat die Nase voll, wenn es um den Lärm im britischen Parlament geht. Als Sprecher des Unterhauses soll er für einen reibungslosen Ablauf der Debatten sorgen. Um notorische Störer unter den Abgeordneten zur Räson zu bringen, fordert er, ein Äquivalent zu den roten und gelben Karten wie im Fußball einzuführen.

Bercow hat es vor allem auf "Prime Minister's Question Time" abgesehen, auf die traditionelle Fragestunde des britischen Premiers an jedem Mittwoch. Die Frage-Antwort-Runde wird live im Fernsehen übertragen und die Plätze auf der Besuchertribüne sind heiß begehrt. Erst kürzlich musste Bercow einen Abgeordneten ermahnen, weil dieser Bildungsminister Michael Gove als "jämmerlichen Winzling" bezeichnet hatte. Wenige Tage zuvor war Bercow selbst als "dummer, scheinheiliger Zwerg" beschimpft worden - Gesundheitsminister Simon Burns war der Übeltäter.

Die Beleidigungen haben Tradition. So wurde schon die "Eiserne Lady" Margaret Thatcher mit einer "sexuell ausgehungerten Boa constrictor" verglichen und Tony Blair als "Blödmann" bezeichnet. Zu den gängigsten Schimpfworten zählen "Lügner", "Schurke", "Lump" oder "Heuchler".