Waffenstillstand trat am Donnerstagmorgen in Kraft

In Syrien schweigen vorerst die Waffen – Zweifel bleiben

Opposition: Sicherheitskräfte erschießen Mann. Annan nennt Lage in Syrien fragil. Größere Kämpfe blieben bis zum Abend aus.

Beirut,. Die seit Donnerstagmorgen geltende Waffenruhe in Syrien hat entgegen vieler Befürchtungen zunächst gehalten. Zwar gab es einige Zwischenfälle mit mindestens zwei Toten, größere Kämpfe blieben bis zum Abend aber aus. „Syrien erlebt einen seltenen Moment der Ruhe“, sagte der Sonderbeauftragte Kofi Annan, der die Waffenruhe und einen Friedensplan vermittelt hatte. Diplomaten zufolge nannte Annan die Lage aber „fragil“, da Syriens Präsident Baschar al-Assad einige Zusagen nicht erfüllte. Dieser zog seine Truppen nicht aus den Städten ab. Zudem bekämpfte er seine Gegner bis zu Beginn der Waffenruhe hart. Westliche Länder und syrische Opposition zweifelten daher an Assads Redlichkeit. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, er werde baldmöglichst ein Team internationaler Beobachter nach Syrien schicken. Der Aufstand gegen Assad hatte vor rund einem Jahr begonnen. UN-Schätzungen zufolge haben dessen Truppen seitdem mehr als 9000 Menschen getötet.

Die Straßen in den seit Wochen umkämpften Rebellenhochburgen waren am Donnerstag wie leergefegt. Kaum jemand traute sich aus den Häusern. Anwohner berichteten von einer unheimlichen Stille. Viele fragten sich, ob die Waffenruhe halten würde. Staatlichen Medien zufolge kam bei der Explosion einer Straßenbombe ein Offizier ums Leben. Der Opposition zufolge erschossen Sicherheitskräfte nach Inkraftreten der Waffenruhe einen Mann in der Provinz Hama. Dieser habe an einem Kontrollposten nicht anhalten wollen.

Bis kurz vor Beginn der Waffenruhe gingen Soldaten Berichten zufolge hart gegen Gegner vor. „Es war eine blutige Nacht. Homs lag unter schwerem Beschuss. Doch jetzt ist es ruhig, es wird nicht mehr geschossen“, sagte ein Oppositioneller. Auch in anderen Hochburgen der Assad-Gegner wie Hama und Idlib blieb es nach Berichten ebenso wie in der Hauptstadt Damaskus ruhig. Allerdings sollen Panzer und Scharfschützen weiter präsent gewesen sein.

Den Rebellen zufolge könnten die üblichen Proteste nach den Freitagsgebeten zur Bewährungsprobe für den Friedensplan werden. Die Regierung rief Aufständische zur Kapitulation und Flüchtlinge zur Rückkehr auf. Ein Sprecher der syrischen Regierung erklärte, die Führung fühle sich Annans Plan voll verpflichtet. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, es sehe tatsächlich so aus, als ob die Waffenruhe halte. „Dennoch beobachtet die Welt die Lage mit skeptischen Augen, weil frühere Versprechen von der syrischen Regierung nicht eingehalten wurden.“

Der britische Premierminister David Cameron warf Assad vor, Absprachen des Sicherheitsrats gebrochen zu haben, denen auch Syriens Verbündete Russland und China zugestimmt hätten. China begrüßte derweil die Einstellung der Kämpfe. Die Türkei erinnerte daran, dass sie das Recht habe, ihre Nato-Verbündeten zur Verteidigung ihrer Grenzen zur Hilfe zu rufen. Am Montag hatte es nach Schüssen auf der syrischen Seite der Grenze Verletzte auf der türkischen Seite gegeben.

Dem von Annan vermittelten Plan zufolge hätte Assad seine Soldaten bereits am Dienstag aus den Städten abziehen müssen. Das syrische Verteidigungsministerium hatte am Mittwoch angekündigt, von Donnerstag an die Kämpfe einzustellen, jedoch sich nicht zum Abzug aus umkämpften Städten geäußert. Annans Plan sieht die Entsendung von rund 250 Beobachtern vor, die den Waffenstillstand überwachen sollen. Die Regierung erklärte, damit könne so schnell wie möglich begonnen werden. (reuters/abendblatt.de)