Luftangriffe im Gazastreifen

Tötung des Extremistenführers löst neue Welle der Gewalt aus

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abendblatt.de

Israelische Raketen töten den Entführer von Gilad Schalit. Palästinenser antworten mit Gewalt. Mindestens 14 militante Kämpfer sterben.

Gaza. Neue Eskalation in Nahost: Die gezielte Tötung eines palästinensischen Extremistenführers durch einen israelischen Raketenangriff im Gazastreifen hat die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern wieder aufflammen lassen. Bei 16 israelischen Luftangriffen starben am Sonnabend mindestens 14 Palästinenser. Weitere 18 Menschen wurden in dem Gebiet am Mittelmeer nach Angaben des medizinischen Notdienstes in Gaza-Stadt zum Teil schwer verletzt. Militante Palästinenser feuerten israelischen Angaben zufolge fast 100 70 Raketen und Granaten Richtung Israel ab. Dabei seien ein Mensch schwer und mindestens drei weitere leicht verletzt worden.

Unter den Opfern war nach Angaben aus Jerusalem Zuher al Kesi, der hinter der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit im Jahr 2006 gestanden haben soll. Al Kesi war die ranghöchste Zielperson seit Monaten, die einem israelischen Angriff im Gazastreifen zum Opfer fiel. Palästinensische Augenzeugen berichteten, sie hätten israelische Drohnen fliegen sehen, unmittelbar bevor dessen Auto in Flammen aufgegangen sei. Bei dem Angriff am Freitag wurden neben Al Kesi zwei weitere Menschen getötet, darunter auch sein Schwiegersohn Mahmud Hanini. Al Kesi und Hanini gehörten beide dem bewaffneten Arm des Widerstandskomitees des Volks (PRC) an, eine mit der Hamas verbundene Extremistengruppe.

Als Reaktion auf die offenbar gezielte Tötung der Kommandeure feuerten mehrere Palästinensergruppen Raketen ab, die zum Teil weit hinter der Grenze einschlugen. Eines davon verletzte einen israelischen Zivilisten schwer. Die Bewohner des betroffenen Gebiets flüchteten in die Schutzräume. Von 92 Raketen, die nach Militärangaben auf Israel abgefeuert wurden, wurden etwa 25 von den Abwehrsystemen abgefangen. Es waren die blutigsten Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern seit Jahresbeginn. Der ägyptische Konsul Jasser Usman erklärte im Westjordanland, sein Land bemühe sich um eine Waffenruhe.

Angriff auf Israel soll geplant gewesen sein

Die israelischen Streitkräfte flogen weitere Luftangriffe und töteten nach eigenen Angaben zwei Extremisten, die gerade dabei gewesen seien, Geschosse vorzubereiten. Viele der 14 Todesopfer gehörte der extremistischen Gruppe Islamischer Dschihad an. Die im Gazastreifen regierende Hamas verurteilte den israelischen Angriff, ihre Kämpfer feuerten aber keine Raketen auf Israel.

Die Streitkräfte erklärten, Al Kesi habe einen Angriff auf Israel ähnlich dem im August geplant, bei dem von der ägyptischen Halbinsel Sinai aus acht Israelis getötet worden waren. Die PRC hat sich nie zu der Tat bekannt. Außerdem sei Al Kesi verantwortlich für den Geldfluss von der libanesischen Hisbollah hin zu anderen aufständischen Gruppen im Gazastreifen gewesen.

Der israelische Soldat Gilad Schalit wurde nach mehr als fünf Jahren in Gefangenschaft Ende 2011 im Austausch für 1.027 palästinensische Häftlinge freigelassen. In den vergangenen Monaten haben die israelischen Streitkräfte hauptsächlich Schmuggler-Tunnel und keine Einzelpersonen angegriffen. Al Kesis Vorgänger Kamal Nairab kam vor sieben Monaten auf ähnliche Weise ums Leben.

Mit Material von dpa und dapd

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