Afghanistan

Koran-Verbrennung sorgt für Ausschreitungen - drei Tote

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Hunderte wütende Afghanen versammelten sich den zweiten Tag in Folge in einem Vorort der Hauptstadt Kabul, um ihrem Ärger über den Umgang der USA mit dem heiligen Buch des Islam zum Ausdruck zu bringen. Dabei wurden Augenzeugen zufolge Schüsse in die Menschenmenge abgegeben.

Proteste gegen Koran-Verbrennung in Kabul kosten drei Menschenleben: Bei den anhaltenden Protesten gegen Koran-Verbrennungen durch US-Soldaten in Afghanistan hat es am Mittwoch Verletzte gegeben. Hunderte wütende Afghanen versammelten sich den zweiten Tag in Folge in einem Vorort der Hauptstadt Kabul, um ihrem Ärger über den Umgang der USA mit dem heiligen Buch des Islam zum Ausdruck zu bringen. Dabei wurden Augenzeugen zufolge Schüsse in die Menschenmenge abgegeben. Es war zunächst unklar, wer diese abfeuerte. Die Demonstranten hätten zuvor die Fensterscheiben von Autos eingeworfen. Es sei der Eindruck entstanden, die Polizei habe geschossen. Dafür gab es aber keine Bestätigung durch die afghanischen Sicherheitskräfte. Reuters-Reporter sagten, auch in anderen Teilen der Hauptstadt hätten sich wütende Menschen versammelt. Aus Sicherheitsgründen ordnete die US-Botschaft in Kabul ein Reiseverbot für ihre Mitarbeiter an.

Kabul.

Die US-Regierung und der Kommandeur der Isaf-Truppen, John Allen, entschuldigten sich am Dienstag für das Vorgehen der Soldaten. Afghanische Arbeiter hatten zuvor beim Durchwühlen einer Müllhalde am US-Stützpunkt Bagram rund eine Autostunde von Kabul entfernt verkohlte Exemplare des Koran gefunden. Vonseiten der USA verlautete, die Soldaten hätten beschlossen, „extremistische Literatur“ und anderes Material, das in der Bibliothek zurückgeblieben war, zu entsorgen. Die Bibliothek befand sich in einem Bereich des Stützpunktes für Gefangene. „Die Bücher seien aus gutem Grund entfernt, aber auf schlechtem Weg entsorgt worden“, sagte ein US-Vertreter Reuters.

Allen hatte sich zwar entschuldigt, aber keine Details zu dem Vorfall genannt. „Sofort nachdem wir von dem Vorgehen erfahren haben, haben wir es unterbunden“, sagte der Kommandeur. „Das war in keiner Weise Absicht“, betonte Allen. Er bat den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, die Regierung des Landes und vor allem die Bevölkerung um Entschuldigung. (rtr)

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