Warschau. Überraschend schnell erholt sich der polnische Militärstaatsanwalt Mikolaj Przybyl von den Folgen eines selbst zugefügten Kopfschusses am Montag. Nur einen tag nach dem mißglückten Selbstmordversuch gab der Mann im Krankenhaus erste Interviews. Dabei betonte Przybyl, dass er vorgehabt habe, sich zu töten. Er sei bei dem versuch jedoch durch ein geräusch an der Tür abelenkt worden. Deshalb sei er mit dem Lauf der Waffe abgerutscht und habe sich in die Wange geschossen.
Nach dem Selbstmordversuch rückte aber ein seit langem schwelender Konflikt zwischen dem zivilen Generalstaatsanwalt Andrzej Seremet und dem obersten Militärstaatsanwalt Krzysztof Parulski ins Licht der Öffentlichkeit. Seremet will die Militärstaatsanwaltschaft schließen. Bislang legte er die Gründe dafür allerdings nicht öffentlich dar. Am Dienstag sollte sich der polnische Präsident Bronislaw Komorowski getrennt mit Seremet und Parulski treffen, um die Differenzen zu erörtern.
Die Militärstaatsanwaltschaft und Seremet machen sich gegenseitig nicht nur für eklatante Ermittlungsfehler nach der Flugzeugkatastrophe von Smolensk und für Defizite in der Korruptionsbekämpfung verantwortlich, sondern auch für den Suizidversuch des stellvertretenden Posener Militärstaatsanwalts. Der Oberst hatte sich am Montag am Rande einer Pressekonferenz eine Kugel in den Kopf geschossen.
In Medienberichten war Przybyl vorgeworfen worden, Journalisten bespitzeln zu lassen, um ein Informationsleck in den eigenen Reihen zu finden. Dabei ging es um die Ermittlungen nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine im April 2010, bei der Staatschef Lech Kaczynski und 95 weitere Menschen starben.
Indirekt machte Parulski Seremet auch für Przybyls Selbstmordversuch verantwortlich, der von einer Kampagne gegen die Militärstaatsanwaltschaft gesprochen hatte. Er nannte das Verhalten des Generalstaatsanwalts „unmoralisch“. Seremet bezeichnete diese Reaktion als „hysterisch“. Die Militärstaatsanwaltschaft habe bei ihren Smolensk-Ermittlungen den Boden des Rechts verlassen, betonte Seremet.
Der PAP sagte Przybyl, er wolle, dass das Büro der Militärstaatsanwaltschaft „so weitermacht, wie es ist und unter der Leitung von General Parulski“, weil unter ihm alle Untersuchungen ehrlich und ohne Druck durchgeführt würden. Die Verletzungen Przybyls heilen offenbar gut. Bereits in zwei Tagen könnte er möglicherweise wieder entlassen werden, sagte die Direktorin des Helidor Swiecicki Hospitals am Dienstag.