General zum Rapport beordert

Der US-Oberbefehlshaber in Afghanistan soll über seinen Präsidenten gelästert haben

Frankfurt/Main. Der Oberbefehlshaber der internationalen Truppen in Afghanistan, US-General Stanley McChrystal, ist nach scharfer Kritik an der US-Regierung ins Weiße Haus zitiert worden. Er solle dort bereits heute Rede und Antwort zu Äußerungen stehen, die in einem Porträt über ihn im US-Musikmagazin "Rolling Stone" wiedergegeben werden, berichteten amerikanische Medien gestern. Dem Porträt zufolge hat McChrystal die Afghanistan-Politik der US-Regierung heftig kritisiert sowie führende Regierungsmitglieder und Diplomaten angegriffen, darunter US-Präsident Barack Obama, Vizepräsident Joe Biden und den amerikanischen Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry.

Obama sei "wütend" wegen des Artikels, meldete der Fernsehsender MSNBC. McChrystal bat unterdessen bereits darum, seine "aufrichtige Entschuldigung" wegen des Artikels zu akzeptieren. Die Äußerungen entsprächen nicht seinen "Prinzipien von persönlicher Ehre und Integrität", hieß es in einer gestern von McChrystal veröffentlichten Erklärung. Die Nato stellte sich in einer ersten Stellungnahme unterdessen hinter den US-General. "Der Artikel im ,Rolling Stone' ist bedauerlich, aber es ist nur ein Artikel", sagte ein Sprecher in Brüssel. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen habe weiterhin "volles Vertrauen in General McChrystal und dessen Strategie".

US-Kommentatoren bezweifelten dagegen, dass der hoch dekorierte General den Skandal übersteht. Ein führender Pressemitarbeiter McChrystals trat gestern bereits zurück.