Vor der Parlamentswahl

Historisches TV-Duell in Großbritannien

London. Drei Wochen vor der Parlamentswahl in Großbritannien stand für die Chefs der drei großen Parteien gestern ein historischer Termin an: Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes sollte der Premierminister in einem TV-Duell live gegen seine Herausforderer antreten. Regierungschef Gordon Brown hoffte damit genauso wie der Chef der konservativen Tories, David Cameron, und der Spitzenkandidat der Liberaldemokraten, Nick Clegg, mehr Wähler von sich zu überzeugen. Zwei weitere TV-Duelle sollen am 22. und 29. April folgen.

Der Debatte wurde seit Monaten entgegengefiebert, sie gilt als Herzstück des Wahlkampfs. Denn nach Umfragen ist das Ergebnis der Unterhauswahl am 6. Mai noch offen. Mit der Debatte wollten die Spitzenpolitiker die Briten auch für den Wahlkampf begeistern, der bisher nicht viele Bürger mitgerissen hat. 65 Prozent der Briten wollen sich die TV-Debatten anschauen - das wären hochgerechnet rund 30 Millionen Menschen.

Allerdings sind die Regeln für die Fernsehrunde so strikt, dass Kritiker meinen, von einer Debatte oder gar einem Duell könne gar keine Rede sein: 200 Zuschauer wurden für die Sendung streng nach Parteienpräferenz und Proporz ausgewählt. Sie dürfen vorher Fragen einreichen, die dann selektiert werden. Es darf zwischendrin nicht gebuht oder geklatscht werden. Jeder Parteichef wird am Anfang und Ende eine kurze Erklärung abgeben. Sie dürfen nicht miteinander diskutieren, sondern nur auf Fragen der Moderatoren antworten.

Spannend ist die Debatte vor allem, weil Brown normalerweise das Rampenlicht scheut. Der 59 Jahre alte Premier gilt - anders als sein 43 Jahre alter Konkurrent Cameron - als nicht besonders telegen und eher langweilig. Brown hatte dem Duell nur auf großen Druck der Opposition zugestimmt. Was in den USA und Deutschland bereits Tradition hat, gab es in Großbritannien bisher noch nie. Selbst der telegene Tony Blair, Browns Vorgänger, hatte sich um eine TV-Debatte herumgemogelt.

Derzeit liegen die Tories in Umfragen vorne. Ihr lange riesiger Vorsprung vor Labour war allerdings zuletzt stark geschrumpft. Die Liberaldemokraten, die drittgrößte britische Partei, stehen derzeit bei rund 20 Prozent.