Anschlag auf Konvoi

Maoisten töten in Indien mehr als 70 Polizisten

Neu-Delhi. Delhi - Kurz nach Sonnenaufgang schlugen die Maoisten zu. Zunächst stoppten sie den Konvoi der indischen Bundespolizei mit mehreren Sprengsätzen in einem Waldstück im unzugänglichen Süden des Bundesstaates Chhattisgarh. Danach nahmen 250 Rebellen und mehrere Hundert sympathisierende Dorfbewohner die Einsatzkräfte von umliegenden Hügeln unter Feuer. Nach offiziellen Angaben starben gestern mehr als 70 der 120 Polizisten im Kugelhagel. Seinen Ursprung hat der bewaffnete Kampf der Maoisten Ende der 60er-Jahre im Bundesstaat Westbengalen, wo arme Landarbeiter, unterstützt von linken Intellektuellen aus den Städten, den Aufstand gegen Grundbesitzer und Regionalpolitiker wagten. Zentrum des Widerstands gegen "Unterdrückung und Ausbeutung" war das Dorf Naxalbari, das der Bewegung zu ihrem Namen verhalf - bewaffnete Linksextremisten werden in Indien auch Naxaliten genannt. Zwar wurde die Revolte niedergeschlagen. Ziele und Ideologie fanden bald jedoch auch anderswo Anhänger, besonders in den wirtschaftlich rückständigen Regionen Zentral- und Ostindiens, aber auch im Süden des Landes.

Dort haben Naxaliten ihren Einfluss kontinuierlich ausgebaut. Vor allem seit der Vereinigung der beiden größten Splittergruppen zur Maoistisch-Kommunistischen Partei Indiens (CPI-Maoistisch) im Jahr 2004 wird immer häufiger vom "roten Korridor" berichtet, der sich von der nepalesischen Grenze bis in den südlichen Bundesstaat Tamil Nadu erstreckt. Nach Regierungsangaben operieren inzwischen etwa 20 000 bewaffnete Kader in 200 der 626 indischen Distrikten.

Hauptgrund dafür ist nach Aussage von Suhas Chakma, Direktor des Asiatischen Zentrums für Menschenrechte in Neu-Delhi, die Armut in Regionen, die vom indischen Wirtschaftsaufschwung nicht profitierten oder sogar darunter litten. So seien in den vergangenen 60 Jahren fast zehn Millionen Menschen durch den Bau von Staudämmen, Bergwerken und Industrieanlagen vertrieben worden - viele ohne angemessene Entschädigungen.

Zwar bietet die Regierung den Rebellen immer wieder Gespräche an, sollten diese die Gewalt stoppen. Gleichzeitig geht Neu-Delhi aber mit harter Hand vor. Im November startete die Großoffensive "Green Hunt" (Grüne Jagd), für die Zehntausende Sicherheitskräfte zusammengezogen wurden. Ziel ist es, die von Maoisten kontrollierten Regionen zurückzuerobern.