Kirche

Papst unterzeichnet Hirtenbrief

Rom/Bonn. Rom hat gesprochen, aber keiner weiß, was. Papst Benedikt XVI. unterzeichnete am Freitag seinen mit Spannung erwarteten Brief zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Dies teilte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi mit. Veröffentlicht wird der Hirtenbrief aber erst an diesem Sonnabend. Klar ist schon jetzt: Die Deutsche Bischofskonferenz verschärft ihre Leitlinien. Die von den bayerischen Bischöfen bereits beschlossene Meldepflicht gilt voraussichtlich künftig in allen deutschen Bistümern. Dann muss jeder Verdacht auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger der Staatsanwaltschaft angezeigt werden.

Das Schreiben des Papstes ist an die Kirche in Irland gerichtet, wo sich Geistliche tausendfach an Kindern und Jugendlichen vergangen hatten. In Deutschland sind die Erwartungen aber hoch, dass sich Benedikt auch konkret zu den vielen Fällen in seinem Heimatland äußert. In Rom hieß es, der Papst wolle klare Wege aufzeigen, wie Pädophilie in der Kirche ausgemerzt werden soll. Bereits im Februar hatte Benedikt bei einem Krisengipfel mit der irischen Bischofskonferenz "null Toleranz", Aufarbeitung und Vorbeugung von Missbrauch gefordert.

Der im Dezember angekündigte Brief auf Italienisch und Englisch verzögerte sich offenbar wegen der jüngsten Skandalwelle auch in anderen Ländern. Der Vatikan will kurze Zusammenfassungen in anderen Sprachen veröffentlichen. Dies spricht dafür, dass der Hirtenbrief eine gewisse Länge hat.

Die bisher geltenden Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) verpflichten die Kirche nur bei einem erhärteten Verdacht und bei nicht verjährten Fällen, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Zudem kann die Kirche auf eine Anzeige verzichten, wenn die Opfer das nicht wollen. Diese Lücke soll geschlossen werden. Der DBK-Sprecher Matthias Kopp sagte: "Die Ergebnisse der Freisinger Bischofskonferenz werden in die Überarbeitung der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz einfließen."

Am Zölibat will der Papst nicht rütteln. Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen ist aber für die Abschaffung der Ehelosigkeit von Priestern. 87 Prozent der Befragten seien der Meinung, der Zölibat sei nicht zeitgemäß, ergab der neue Deutschland-Trend der ARD. Nur neun Prozent halten den Zölibat für sinnvoll.

Am Freitagabend wurden Vertuschungsvorwürfe gegen den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, den Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, erhoben. Nach Recherchen von "Report Mainz" und der "Badischen Zeitung" soll er während seiner Tätigkeit als Personalreferent in der Erzdiözese Freiburg 1991 einen des Missbrauchs bezichtigten Pfarrer nur vorzeitig in den Ruhestand versetzt haben. Die Staatsanwaltschaft sei nicht eingeschaltet worden. Ein Sprecher des Bistums Freiburg sagte, der gegen Zollitsch erhobene Vorwurf der Vertuschung sei "unhaltbar". Der Ortspfarrer sei 1991 in den Ruhestand versetzt worden, obwohl es lediglich Gerüchte über "unsittlichen Kontakt zu Kindern" gegeben habe.

Unterdessen hat der frühere Leiter der Odenwaldschule in Heppenheim, Gerold Becker (74), sexuelle Verfehlungen zugegeben. Seine Opfer bat er um Entschuldigung.