Skandal

Sex, Lügen, Romeo: Nordirlands Premier wackelt

Hamburg/London. Wenn sie nur Robinson hieße wie das Hollywood-Vorbild in der "Reifeprüfung" mit Anne Bancroft und Dustin Hoffman - der Wirbel um die First Lady und ihren 40 Jahre jüngeren Geliebten hätte eine lustige Fußnote. Doch es ist nicht bloß die Namensgleichheit, die die Ehekrise von Iris Robinson (60) und ihrem Mann Peter (61), Nordirlands Ministerpräsidenten, zum Gespött der Briten und zu einem politischen Skandal gemacht haben. Tödliche Folgen eingeschlossen.

Denn die dreifache Mutter Iris Robinson hat bereits versucht, sich das Leben zu nehmen, nachdem sie ihrem Mann eine kurze Affäre mit dem damals 19-jährigen Kirk McCambley gebeichtet hatte. Außerdem droht sich der Hintergrund des Skandals zu einer echten Bedrohung für den schwierigen Friedensprozess in Nordirland auszuwachsen.

Iris Robinson will anscheinend ihren Sitz im nordirischen Parlament und im Londoner Unterhaus aufgeben. Ihr Mann soll außerdem mehr gewusst haben über die 50 000 Pfund (etwa 55 000 Euro), die seine Frau ihrem damaligen Liebhaber übergab. Der junge Mann sollte mit dem Geld, das sie bei Investoren einwarb, in Belfast ein Café eröffnen. Ihre geschäftlichen Aktivitäten hätte sie als Abgeordnete angeben müssen. Hat ihr Mann sie gedeckt?

Der Finanzaspekt der multiplen Affäre belastet Peter Robinson: "Ich wusste nichts davon", verteidigte er sich. "Wenn jemand eine Affäre vor dir geheim hält, dann ist es nicht überraschend, dass er auch andere Dinge, die mit dieser Affäre zu tun haben, geheim hält." Sie tat das Techtelmechtel mit dem Twen rasch ab: "Es hatte keine emotionale oder anhaltende Bedeutung für mich", ließ sie mitteilen.

Mr und Mrs Robinson sind Nordirlands mächtigste Familie. "Seine Position wird immer unhaltbarer", sagte David McIlveen, ein Freund des ehemaligen Ministerpräsidenten Ian Paisley. Von ihm hatte Robinson das Amt übernommen. Im Frühjahr stehen Wahlen in Großbritannien an. Ein Rücktritt des Ministerpräsidenten hätte verheerende Konsequenzen für das Gleichgewicht in der Regionalregierung zwischen Robinsons protestantischer Democratic Unionist Party und der katholischen Sinn-Fein-Partei von Vize-Ministerpräsident Martin McGuinness. In Nordirland gibt es trotz des Friedensabkommens noch immer Gewalt. Im März 2009 erschossen Terroristen zwei britische Soldaten und einen Polizisten. Am vergangenen Freitag gab es einen Anschlag auf einen Polizisten.

Gerry Adams von der Sinn-Fein-Partei hat ebenfalls einen Skandal zu überstehen. Sein Bruder Liam soll eine Nichte missbraucht haben. Die Robinsons müssen sich zudem wegen hoher Ausgaben für angestellte Familienmitglieder verantworten.

Nur der inzwischen 21-jährige Ex-Lover Kirk McCambley ist in den Augen vieler Briten ein Held, weil er die Doppelmoral der erzkonservativen Iris Robinson offenlegte. Auch wenn sein Café nicht besonders läuft, kann er sogar TV-Star werden. Er soll bei der nächsten Staffel der englischen Ausgabe von "Big Brother" mitspielen.