Eingeholt von der Vergangenheit

Frankreichs Ex-Präsident Chirac soll vor Gericht

Er soll die Stadt Paris um fünf Millionen Euro betrogen haben und wohnt umsonst in der Wohnung eines libanesischen Freundes.

Paris. Der frühere französische Präsident Jacques Chirac hatte vermutlich gehofft, er werde um ein Gerichtsverfahren wegen veruntreuter Gelder herumkommen. Schließlich hatte die Staatsanwaltschaft schon die Einstellung des Verfahrens beantragt. Doch die Untersuchungsrichterin lässt nicht locker: In ihrem 200 Seiten langen Bericht wirft sie Chirac vor, als Bürgermeister von Paris seinen Unterstützern und Parteigenossen einträgliche Posten zugeschanzt zu haben - ohne dass diese je für die Stadt arbeiteten.

Es dürfte schwierig werden, heute noch zu entwirren, wer in den 90er-Jahren für welchen Posten eingestellt wurde und was er für sein Geld getan hat. Chirac war der König der Ämterhäufung. Es gibt kaum wichtige Posten, die er nicht innehatte, zu Spitzenzeiten war er gleichzeitig Bürgermeister von Paris, Parteichef und Abgeordneter. Das Rathaus war für ihn das Sprungbrett in den Élysée, in den er es im dritten Anlauf geschafft hat.

In dem Verfahren geht es um 21 von insgesamt 481 Posten ohne klare Jobbeschreibung, die Chirac in den 90er-Jahren als Bürgermeister verteilt hat. Unter anderem soll ein Chauffeur für einen Parteifreund auf der Gehaltsliste des Pariser Rathauses gestanden haben. Andere "Projektleiter" sollen vor allem für seine RPR-Partei gearbeitet haben. Chirac betont, dass er niemals etwas Unrechtes getan habe - räumt aber ein, dass Beschäftigte ihm geholfen hätten, seine Ämter zu koordinieren.

Im Fall einer Verurteilung drohen Chirac bis zu zehn Jahre Haft und 150 000 Euro Strafe. Die Ermittlungen hatten schon 1999 begonnen, waren aber eingestellt worden, weil Chirac als Präsident nicht juristisch belangt werden konnte. Chirac hatte sich nach seinem Abschied 2007 eigentlich auf eine dynamische Rentenzeit eingestellt. Mithilfe seiner Stiftung wollte er sich um bedrohte Sprachen und die Versorgung mit Medikamenten in Afrika kümmern.