Bangladesh: Parlamentswahlen

Linke Awami-Liga in Führung

Bei den Parlamentswahlen in Bangladesch deutet sich nach Auszählung der ersten Wahlkreise ein Sieg der linksgerichteten Awami-Liga von Sheikh Hasina Wajed an.

Dhaka. Wie die staatliche Wahlkommission am Montag mitteile, lag die Awami-Liga nach bisher vorliegenden Ergebnissen klar vor der rivalisierenden Nationalpartei BNP und deren Spitzenkandidatin Khaleda Zia. Den Angaben zufolge sollte die Stimmenauszählung, die live in Fernsehen und Hörfunk übertragen wird, noch mehrere Stunden andauern. Mit einem vorläufigen Endergebnis wird am Dienstag gerechnet.

Mit der Wahl, die unter strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfand, wurde in Bangladesch die Rückkehr zur Demokratie eingeleitet. Es wurde eine hohe Wahlbeteiligung verzeichnet: Landesweit hätten sich etwa 70 Prozent der mehr als 80 Millionen Wahlberechtigten an der Abstimmung beteiligt, erklärte der Chef des nationalen Wahlbeobachterrates, Nazmul Ahsan Kalimullah, nach Schließung der Wahllokale.

Der Leiter der 150 Mitglieder starken EU-Wahlbeobachtermission, der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff, sagte, die Menschen hätten mit "großem Enthusiasmus" an dem Urnengang teilgenommen. Vielen sei es eine "Herzensangelegenheit" gewesen, nach fast zweijährigem Ausnahmezustand wieder ein Parlament und eine demokratisch legitimierte Regierung wählen zu können. Bereits zu Beginn der Abstimmung am Morgen hätten sich lange Schlangen vor den Wahllokalen gebildet, berichtete Lambsdorff.

Ursprünglich sollten die Wahlen am 22. Januar 2007 stattfinden. Nach schweren Unruhen zwischen Anhängern von BNP und Awami-Liga Anfang 2007 war jedoch der Ausnahmezustand über das mit 160 Millionen Einwohnern siebtgrößte Land der Erde verhängt und die Abstimmung verschoben worden. Ein vom Militär gestütztes Übergangskabinett hatte die Regierung übernommen und unter anderem der Korruption den Kampf ansagt.

Unter der Führung der beiden erbittert verfeindeten Politikerinnen Sheikh Hasina und Khaleda Zia, die sich zwischen 1991 und 2006 mehrfach an der Regierungsspitze abwechselten, galt Bangladesch als eines der korruptesten Länder weltweit. Die Übergangsregierung ließ nach ihrer Machtübernahme nicht nur Sheikh Hasina und Khaleda Zia vorübergehend festnehmen - auch zehntausende Politiker, Beamte und Geschäftsleute mussten ins Gefängnis. Zahlreichen Funktionären wurde eine Kandidatur bei Wahlen untersagt.

Insgesamt waren am Wahltag mehr als 650 000 Sicherheitskräfte im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Größere Zwischenfälle und Unregelmäßigkeiten wurden nicht gemeldet. "Es gab lediglich vereinzelte Berichte über Gewalt", sagte der Vorsitzende der Wahlkommission, Shamsul Huda. Nach Medienberichten wurden bei Zusammenstößen in verschiedenen Landesteilen mindestens 20 Menschen verletzt.