Debatte: Kein eindeutiger Gewinner

TV-Duell zwischen McCain und Obama im Zeichen der Finanzkrise

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Ganz im Zeichen der Krise auf den US-Finanzmärkten haben sich die US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain rund fünf Wochen vor der Wahl ihr erstes TV-Duell geliefert. Beide waren sich einig, dass der Kongress beim geplanten 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket der Regierung rasch handeln muss.

Oxford/USA. Ganz im Zeichen der Krise auf den US-Finanzmärkten haben sich die US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain rund fünf Wochen vor der Wahl ihr erstes TV-Duell geliefert. Beide waren sich einig, dass der Kongress beim geplanten 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket der Regierung rasch handeln muss. Deutliche Meinungsunterschiede zeigten sie beim Thema Außenpolitik, einen klaren Sieger gab es nach der Diskussion in der Universität von Mississippi in Oxford nicht.

Im Mittelpunkt des gesamten ersten Drittels der 90-minütigen Debatte stand vor allem die angeschlagene US-Wirtschaft. Der republikanische Kandidat McCain sprach sich für einen Ausgabenstopp in allen Bereichen außer der Verteidigung, der Veteranenversorgung und der Rentenzahlungen der Sozialprogramme aus. Sein demokratischer Konkurrent Obama sagte dazu, das sei so, als ob ein Chirurg statt des Skalpells ein Beil zur Behandlung des Patienten benutze.

Umfragen zufolge halten die US-Bürger dem 47-jährigen Senator für den besseren Kandidaten im Umgang mit der Finanzkrise. Kritiker haben McCain mangelnde Wirtschaftskompetenz vorgeworfen, was in der Debatte aber kaum zum Tragen kam. Der Republikaner hatte erst wenige Stunden vor der Fernsehdebatte seine Teilnahme zugesagt - er hatte zuvor gefordert, der Termin solle verschoben werden, bis der Kongress die Verhandlungen über das gigantische Finanz-Rettungspaket abgeschlossen habe. Obama hatte dies als politisches Manöver kritisiert.

Die Verabschiedung des Rettungspakets sei von höchster Priorität, sagte Obama. Es sei aber auch wichtig, "dem amerikanischen Volk aufzuzeigen, wohin der nächste Präsident das Land führen will und wie er mit dieser Krise umgehen will". Die Entwicklungen an der Wall Street seien "ein letztes letzte Urteil über acht Jahre gescheiterter Wirtschaftspolitik", wie sie von Präsident George W. Bush und McCain vertreten worden sei, sagte Obama. "Wir können uns vier weitere (Jahre) nicht leisten."

Der 72 Jahre alte McCain warf Obama vor, nicht über die nötige Erfahrung zu verfügen, um die Sicherheit der USA garantieren zu können, und verwies auf seine langjährige Arbeit als Senator. Obama konterte, McCain habe nicht nur den Irak-Krieg unterstützt, sondern auch die Stationierung weiterer Soldaten dort, obwohl sie in Afghanistan weitaus dringender gebraucht würden.

Beide Kandidaten gingen mit unterschiedlichen Zielen in die Debatte. Obama muss die Wähler davon überzeugen, dass er als Präsident auch die Rolle eines Oberkommandierenden der Streitkräfte übernehmen kann. Und angesichts der Finanzmarktkrise muss er zeigen, dass er auch die Nöte der einfachen Menschen versteht, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen und die ihn bislang in den Vorwahlen kaum unterstützt haben. McCain, der sich bislang als erfahrener Politiker präsentierte, muss sich von der bisherigen Politik der Regierung von Präsident Bush distanzieren. Er habe sich Bush unter anderem bei den Themen Klimawandel, Folter und Guantanamo entgegengestellt, sagte McCain.

Wegen des Kopf-an-Kopf-Rennens der beiden Kandidaten in den Umfragen wird den insgesamt drei Fernsehauftritten große Bedeutung für den Wahlausgang am 4. November beigemessen. Die nächsten Debatten finden am 7. Oktober in der Belmont Universität in Nashville in Tennessee und am 15. Oktober an der Hofstra Universität in Hempsted in New York statt. Die Vizepräsidentschaftskandidaten Sarah Palin und Joe Biden treffen einmal am kommenden Donnerstag zu einer Diskussion aufeinander.

( AP )

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