"Historisch hat Südossetien nie zu Georgien gehört"

Stanislaw Borisowitsch Dschojew, seit 15 Jahren der Vertreter Südossetiens in Nordossetien, über seine Sicht auf den Konflikt mit...

Stanislaw Borisowitsch Dschojew, seit 15 Jahren der Vertreter Südossetiens in Nordossetien, über seine Sicht auf den Konflikt mit Georgien.


Worin liegen die Ursachen des Konflikts?

Beim Zerfall der Sowjetunion galt die Regel, dass Autonome Gebiete aus Republiken austreten können, die ihrerseits die Sowjetunion verließen. Dieses Recht wollte Südossetien in Anspruch nehmen. Daraufhin wurde ihm von Tiflis der Autonomie-Status aberkannt. So kam es zum Krieg 1991/92.



Warum wollten die Südosseten nicht in Georgien bleiben?

Wir wollen mit unseren Verwandten in Nordossetien in einem Land leben. Während der Sowjetunion war es für uns kein Problem, das Nordossetien Teil der Russischen Föderation ist und wir zu Georgien gehörten. Wir lebten unter einem Dach. Nach 1991 entstand für uns eine ähnliche Lage wie früher in Deutschland. Wir wurden getrennt, in Georgien wirtschaftlich und politisch benachteiligt. Historisch haben Südossetien, Abchasien und Adscharien nie zu Georgien gehört.



Wird Südossetien noch einmal zu Georgien zurückkehren?

Das wird nicht geschehen. Wir haben jetzt den dritten Genozid erlebt. Schon 1918 bis 1920 wollten uns die Georgier umbringen oder vertreiben. 1991/92 haben sie es ein zweites Mal versucht und nun wieder. Jetzt, nach der Anerkennung unserer Unabhängigkeit durch Russland, schöpfen die Menschen wieder Mut und wollen das Land aufbauen.

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