Nazisymbole und Gerüchte um Putins Kindheitstrauma

"Adolf Putin", Hakenkreuze und SS-Runen in Russlands Staatsnamen - der Hass der Georgier auf die russischen "Aggressoren" hat kaum noch Grenzen.

Tiflis. "Adolf Putin", Hakenkreuze und SS-Runen in Russlands Staatsnamen - der Hass der Georgier auf die russischen "Aggressoren" hat kaum noch Grenzen. Vergleiche mit Hitlerdeutschland sind angesichts der russischen Truppen in Georgien und der Anerkennung der Separatisten in Abchasien und Südossetien beliebte Motive auf Plakaten in der Hauptstadt Tiflis. Händler verkaufen trauerschwarze T-Shirts mit dem Abbild von Georgiens Staatsfeind Nummer eins: Ex-Kreml- und nun Regierungschef Wladimir Putin.

Vor der russischen Botschaft in Tiflis haben wütende Georgier Sperrmüll abgeladen. Das Staatsfernsehen schürt die antirussischen Gefühle mit den immer gleichen Kriegsbildern. Ein Trickfilm zeigt einen Balalaika spielenden Putin, der hinterlistig Kriegspläne ausheckt, um sich die kaukasischen Völker zu unterjochen.

"Das ist pure Kriegspropaganda. Präsident Michail Saakaschwili fördert ganz gezielt die antirussische Stimmung", sagt die Leiterin des kulturpolitisch engagierten Kaukasus-Hauses in Tiflis, Naira Gelaschwili. Georgiens Medienkampagne gegen Russland läuft nach Einschätzung westlicher Experten hochprofessionell und international effektiv. "Je länger die Russen auf georgischem Staatsgebiet bleiben, desto mehr Zündstoff hat Saakaschwili und kann so von seinen eigenen schweren Fehlern im Konflikt ablenken", meint ein westlicher Diplomat.

Konjunktur haben Hobbypsychologen, die dem ehemaligen KGB-Offizier ein georgisches Kindheitstrauma nachsagen. So lebt in einem kleinen Ort in der Nähe von Gori, der Geburtsstadt des Sowjetdiktators Josef Stalin, eine alte Frau, die sich Vera Putina nennt und behauptet, der "nationale Führer" Russlands sei ihr Sohn. Die in Georgien seit Jahren sehr beliebte Geschichte griff auch die holländische Dokumentarfilmerin Ineke Smits in ihrem Film "Putins Mama" auf, der 2004 bei dem Kulturfernsehkanal Arte lief. Beweise für diese Familienbande gab es aber nie.

Vera soll den kleinen Putin an Verwandte in Russland gegeben haben, weil ihr georgischer Mann den Stiefsohn nicht anerkannt und immer viel geschlagen habe. In Russland gibt es bis heute nur wenig Informationen über Vater und Mutter Putins. Putin ließ zwar einmal wissen, seine Eltern seien früh gestorben. Doch die Frau, die sich Vera Putina nennt, meint, dass "Wowa" mit der Wahrheit nie hätte Karriere beim KGB machen können. Manche Georgier spekulieren nun, Putin habe sich für die Schläge seines kaukasischen Stiefvaters gerächt.

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