Birma: Flugzeuge mit Hilfsgütern eingetroffen - Junta will alles allein verteilen

Sauberes Wasser wird größtes Problem

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Deutsche Experten auf dem Weg nach Rangun. Erste Cholera-Fälle werden gemeldet. Die Junta zieht den Volksentscheid durch.

Rangun/Berlin. Zehn Tage nach dem Wirbelsturm in Birma beugt sich das Militärregime dem wachsenden internationalen Druck und erlaubt die Landung von Flugzeugen mit Hilfsgütern aus dem Ausland. Gestern trafen Maschinen aus den USA und Frankreich mit mehreren Tonnen Trinkwasser, Decken und Medikamenten in Rangun ein.

Heute wird die Ankunft von zwölf Trinkwasserexperten des Technischen Hilfswerks (THW) erwartet. Die vom Auswärtigen Amt gecharterte Frachtmaschine bringt auch vier Trinkwasseraufbereitungsanlagen, die sauberes Wasser für täglich 40 000 Menschen produzieren können. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte gestern in Berlin, bisher würden eine Million Euro für Hilfsmaßnahmen in Birma bereitgestellt.

An Bord einer US-Militärmaschine waren vor allem Trinkwasser, Decken und Moskito-Netze. Sie sollen mit Hubschraubern der birmanischen Luftwaffe in die am schwersten betroffene Region des Irrawaddy-Deltas gebracht werden. Auch zwei Flugzeuge aus Frankreich mit Medikamenten und Gerät der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen landeten gestern in Rangun. Lastwagen sollen die Hilfsgüter in das Irrawaddy-Delta bringen.

Dort haben Hunderte Menschen in Klöstern Schutz gesucht, wo sie auf dem Fußboden schlafen. Andere übernachten im Freien und trinken verschmutztes Wasser. Die birmanische Exilnachrichtenagentur "Mizzima News" berichtete gestern von ersten Cholera-Fällen.

Die Zahl der Toten nach dem Zyklon "Nargis" stieg unterdessen nach amtlichen Angaben auf 31 938. Fast ebenso viele Menschen gelten noch als vermisst. Catherine Bragg vom Generalsekretariat der Vereinten Nationen sagte, die tatsächliche Zahl der Todesopfer liege vermutlich zwischen 62 000 und 100 000 "oder womöglich noch höher". Uno-Mitarbeitern würden noch immer keine Visa erteilt. Deutsche und andere Hilfsorganisationen klagen weiterhin über Behinderung ihrer Arbeit.

Die EU-Kommission hat angesichts der dramatischen Lage für heute eine Dringlichkeitssitzung der EU-Entwicklungsminister einberufen. Trotz der Lage im Land und internationaler Kritik ließ die Regierung in Birma am Wochenende per Volksentscheid über eine neue Verfassung abstimmen. Die Junta hatte in einer intensiven Propagandakampagne dazu aufgerufen, der Verfassung zuzustimmen.

( AP/rtr/KNA )