Iran lässt britische Geiseln frei

Erlesener Zynismus

Kommentar

Der große Taschenspieler und Entfesselungskünstler Harry Houdini hätte sich vermutlich tief verneigt: Was Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad mit der Geiselkrise vor einem Milliardenpublikum trickreich vorgeführt hat, ist schon Weltklasse.

Zunächst einmal ist Erleichterung über den gütlichen Ausgang des Konflikts angebracht. Doch zur Erinnerung: Die Elitetruppe der Pasdaran, aus deren Reihen Ahmadinedschad hervorgegangen ist, hatte 15 britische Marineangehörige wohl auf irakischem Seegebiet unter Waffengewalt entführt. Das Regime in Teheran, wegen seiner nuklearen Ambitionen derzeit am internationalen Pranger, führte die Briten im Fernsehen nach Art irakischer Al-Qaida-Terroristen in entwürdigender Weise vor.

Doch bevor sich die Krise für den Iran ungemütlich zuspitzen konnte, schenkte Ahmadinedschad den Briten nun völlig überraschend die Freiheit. Seine mit Grabesmiene geäußerte Besorgnis, die Soldaten könnten daheim wegen der "Grenzverletzung" vielleicht bestraft werden, ist von einem geradezu erlesenen Zynismus. Auch dass der radikal-islamische Staatschef - dessen Regime schon mal junge Mädchen aufhängen lässt - um die armen Kinder der entführten britischen Soldatin barmt, ist schier unübertreffliche Heuchelei.

Ahmadinedschad hat den kriminellen Tatbestand der Geiselnahme in eine humanitäre Großtat umgerubelt. In der öffentlichen Wahrnehmung will er als gütiger Staatsmann erscheinen, der eine ihm aufgezwungene Krise friedlich zu lösen versteht. Der Iran empfiehlt sich der Welt.

Übrigens wurden im Irak gerade einige britische Soldaten mit großkalibrigen Scharfschützengewehren erschossen. Diese Spezialwaffen hatte Österreich an den Iran geliefert.