Somalia: Armee will mit Hilfe aus dem Nachbarland die Islamisten in die Knie zwingen

Äthiopische Truppen belagern Mogadischu

Die Afrikanische Union fordert den sofortigen Abzug. Im Uno-Sicherheitsrat fehlt dagegen noch eine klare Linie.

Mogadischu. Im Krieg in Somalia wollen die regierungstreuen Truppen die Islamisten mit der Belagerung der Hauptstadt Mogadischu zur Aufgabe zwingen. Der Gesandte der fern der Hauptstadt residierenden Übergangsregierung, Abdikarin Farah, sagte, die von äthiopischen Verbänden unterstützten Soldaten würden Mogadischu belagern. Erst wenn die Islamisten in der Hauptstadt kapitulierten, werde die Stadt eingenommen. Mit der Strategie sollen Opfer unter der Zivilbevölkerung vermieden werden.

Äthiopien unter Premierminister Meles Zenawi fürchtet wie auch die USA eine Dominanz der Islamisten in Somalia, die sich auf die gesamte Region ausweiten könnte. Hilfsorganisationen erwarten angesichts der Unruhen eine Welle von bis zu 200 000 Flüchtlingen. Während sich der Uno-Sicherheitsrat nicht auf eine Aufforderung zum Abzug ausländischer Truppen aus Somalia durchringen konnte, forderte die in Addis Abeba ansässige Afrikanische Union einen sofortigen Abzug der äthiopischen Truppen.

Auf ihrem Vormarsch hatten die mit den Regierungstruppen verbündeten äthiopischen Verbände den muslimischen Extremisten offenbar eine empfindliche Niederlage beigebracht. Die Soldaten eroberten nach Angaben von Anwohnern die strategisch wichtige Stadt Jowhar, die nur 90 Kilometer von Mogadischu entfernt ist. Bei den Kämpfen gab es den bislang engsten Kontakt zwischen den verfeindeten Gruppen, nachdem sie sich bislang überwiegend aus der Luft und mit weit reichenden Waffen beschossen hatten. Die Islamisten haben nach eigenen Angaben bislang Hunderte Menschen getötet. Äthiopien sprach von bis zu 1000 getöteten Islamisten. Dem Roten Kreuz zufolge wurden mindestens 800 Menschen verletzt.

Anders als der Uno-Sicherheitsrat verlangte die Afrikanische Union (AU) ohne Umschweife, dass die ausländische Intervention in Somalia aufhören müsse: "Wir rufen zum sofortigen Abzug der äthiopischen Truppen auf", sagte der AU-Vorsitzende Alpha Omar Konare. Alle Soldaten und "ausländischen Elemente" sollten Somalia verlassen. Konare kündigte außerdem an, dass eine von der AU geführte Delegation bald nach Somalia reisen werde.

Der Uno-Sicherheitsrat hatte sich am Vorabend nicht auf einen Aufruf zur Waffenruhe in dem von Bürgerkriegskämpfen zerrütteten Land einigen können. Katar bestand am Dienstag nach Angaben von Diplomaten als einziges der 15 Ratsmitglieder darauf, einen sofortigen Abzug aller ausländischen Truppen aus Somalia zu fordern.

Damit wären vor allem Äthiopiens Soldaten gemeint. Die übrigen Staaten wollen nur einen Rückzug aller "unautorisierten" Truppen. Damit bliebe Äthiopien unberührt, da sich dessen Soldaten auf den Wunsch der somalischen Regierung in dem Land aufhalten.

Dies betonte auch Äthiopiens Informationsminister Berhan Hailu. Sein Land habe die Offensive aufgrund einer Anfrage der somalischen Übergangsregierung begonnen, sagte Hailu. Zudem müssten die Soldaten eigene Interessen vertreten. Sie verteidigten die Souveränität Äthiopiens vor internationalen Terroristengruppen und "anti-äthiopischen Elementen".

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat wegen des Krieges in Somalia seine Hilfsflüge eingestellt. Der Einsatz von Hubschraubern und Antonow-Flugzeugen zum Transport und Abwurf von Hilfsgütern in Somalia sei zu gefährlich geworden.