Offensive: Mit Entwicklungshilfe will Peking sich Rohstoffe und Aufträge sichern

China verdoppelt Investitionen in Afrika

Auch gibt es massive Zollerleichterungen für den Schwarzen Kontinent. Berlin: Weckruf für Europa.

PEKING. China will Afrika in den kommenden drei Jahren Kredite von fünf Milliarden Dollar gewähren und seine Entwicklungshilfe verdoppeln. Beim bislang größten Gipfeltreffen zwischen der Spitze der Volksrepublik und Vertretern von fast 50 afrikanischen Staaten unterzeichneten beide Seiten am Wochenende in Peking zudem Wirtschaftsabkommen mit einem Gesamtvolumen von 1,9 Milliarden Dollar.

"Die Welt von heute durchläuft komplexe und massive Veränderungen, die Suche nach Frieden, Entwicklung und Zusammenarbeit liegt im Trend der Zeit", sagte Chinas Staatspräsident Hu Jintao gestern während des zweitägigen Gipfels. Beide Seiten vereinbarten eine strategische Zusammenarbeit und einen Aktionsplan darüber, wie die politische und wirtschaftliche Ko- operation in den nächsten drei Jahren intensiviert werden kann.

China schloss mit insgesamt elf afrikanischen Staaten konkrete Abkommen ab. Sie umfassen die Felder Telekommunikation, Infrastruktur, Technologie, Bodenschätze und Versicherungen. China als viertgrößte Volkswirtschaft der Erde und nach den USA zweitgrößter Verbraucher von Energie will sich damit seinen Einfluss auf dem rohstoffreichen afrikanischen Kontinent sichern.

Außerdem kündigte China eine weitere Öffnung seines Marktes für afrikanische Importe an. So soll die Zahl der Produktgruppen, für die China auf Einfuhrzölle verzichtet, von derzeit 190 auf 440 erhöht werden. In den nächsten Jahren werde China zudem mehrere Handels- und Wirtschaftszonen in Afrika aufbauen.

Chinas Handelsvolumen mit Afrika wird in diesem Jahr wohl die Marke von 50 Milliarden Dollar überschreiten. Vor allem aufgrund der chinesischen Nachfrage nach Rohstoffen sind Afrikas Exporte nach Asien in den vergangenen fünf Jahren um ein Fünftel gewachsen.

Menschenrechtsgruppen kritisieren aber, dass China mit seiner Politik der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten repressive Regierungen stütze. Auch Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz bemängelte, China lasse bei der Kreditvergabe an afrikanische Staaten Menschenrechts- und Umweltstandards außer Acht.

Auf dem Gipfel wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet, wonach Chinas Energiekonzern Sinopec Öl- und Gasfelder in Liberia erschließen darf. China bezieht bereits heute ein Drittel seines Bedarfs an Rohöl aus Afrika, wo Angola, Nigeria und der Sudan bislang die führenden Förderer sind. In Nigeria will China seine Aktivitäten ausbauen, nachdem der Ölkonzern CNOOC im April für 2,7 Milliarden Dollar 45 Prozent der Anteile an einem Ölfeld erworben hatte.

In Ghana will das chinesische Unternehmen Sino Hydro einen Staudamm bauen. Der Auftrag hat ein Volumen von 600 Millionen Dollar. In Gabun sind chinesische Unternehmen bereits am Bau von Schienenverbindungen und eines Container-Hafens beteiligt.

Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bezeichnete Chinas Afrika-Initiative gestern als "Weckruf für Europa". Die Europäische Union (EU) als größter Geber von Entwicklungshilfe für Afrika müsse den Kontinent noch stärker in den Fokus nehmen. Gleichzeitig müsse China auf die internationale gemeinsame Linie gebracht werden.