Arafat hat sich selbst überlebt

Kommentar

Freunde kann man sich aussuchen. Verwandte nicht. Arbeitskollegen auch nicht, was auch auf der Ebene von Staatschefs gilt. Sogar George W. Bush als Präsident der einzigen Supermacht USA kann den palästinensischen Präsidenten nicht aufs Altenteil abschieben. Jassir Arafat ist schließlich einer der wenigen demokratisch legitimierten arabischen Führer, selbst wenn seine Wahl sechs Jahre zurückliegt. Gleichwohl reagiert Arafat auf Bushs Forderung nach seiner Ablösung mit verblüffender Milde. Arafat, der bereits Wahlen angekündigt hat, steht international wie intern gewaltig unter Druck. Sein Regierungsstil hat den Palästinensern nichts gebracht als eine durch und durch korrupte Verwaltung, die Zerstörung ihrer Wirtschaft, die Wiederbesetzung ihrer Autonomiestädte und völlige Isolierung. Arafat hat so sein eigenes Denkmal überlebt. Wobei seine potenziellen Nachfolger, die Diadochen der PLO und die Extremisten der Hamas, allesamt auch keine Demokraten sind - so viel zu der von Bush erwünschten "neuen" Palästinenserführung. Immerhin musste auch Israels Premier Ariel Scharon einige Kröten schlucken. Deutlich wie kein anderer US-Präsident hat Bush Unterstützung für einen Palästinenserstaat signalisiert, einen israelischen Truppenrückzug sowie einen Siedlungsstopp in den Autonomiegebieten verlangt. Einen konkreten Zeitplan dafür hat er nicht genannt. Ob Bush bereits ahnt, dass nicht nur Arafat weg muss, sondern auch Scharon? Unsere Autoren erreichen Sie unter : meinung@abendblatt.de