Zu Besuch in Saddams verlassenem Palast

Auf ihrem Vormarsch in die irakische Hauptstadt Bagdad sind US-Soldaten mitten im Gefecht in ein Anwesen des Staatschefs Saddam Hussein eingedrungen. Was sie dort gesehen haben

Bagdad. Um 8.20 Uhr am Montagmorgen haben Soldaten der 3. US-Infanteriedivision dem Neuen Palast von Staatschef Saddam Hussein einen Besuch abgestattet. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP in Bagdad, Chris Tomlinson, hat ihre Eindrücke aufgezeichnet. In dem mit blauen Kacheln verzierten Gebäude seien das Erdgeschoss und der erste Stock überflutet. Auch das dritte und vierte Stockwerk seien weitgehend zerstört, getroffen bei den tagelangen Luftangriffen seit Beginn des Krieges am 20. März. Auf dem Boden lägen abgerissene Vorhänge, berichten die Soldaten. Das von einer blauen und goldenen Kuppel gekrönte Gebäude mache den Eindruck, als ob es einmal ein prächtiger Wohnsitz gewesen sei: Der Goldaufstrich von Möbeln im Louis-XIV-Stil sei unter dicken Staubschichten verborgen. Überall hänge der Geruch von verbranntem Holz in der Luft. Fast in jedem Raum gebe es mindestens einen Fernseher. Brunnen und Schwimmbäder seien trocken. "Das muss einmal ein netter Ort gewesen sein", sagt der 20-jährige Soldat Robert Blake. Der Neue Palast am Tigrisufer wurde erst vor wenigen Jahren nahe der Zentrale der Baath-Partei errichtet. Schlafzimmer wie Suiten eines Luxushotels Soldaten haben nach eigenen Angaben die Räume durchsucht, die meist den Eindruck von Wohnsalons machen. In Büros hätten sie Dokumente gefunden. In einem Kinderzimmer gebe es vier Betten, die großen Schlafzimmer wirkten wie Suiten eines Luxushotels. Regale und Schubladen seien meist leer. Offenbar sei der Palast schon vor Beginn des Bombardements geräumt worden. In der Küche gebe es keine Vorräte mehr. Nur Wasser laufe noch aus den Leitungen. Auf dem Gelände des Palastes haben die US-Truppen einen provisorischen Sammelpunkt für Gefangene eingerichtet, heißt es bei den Militärs. Hier würden irakische Kämpfer hingebracht, die bei den Gefechten im Stadtzentrum gefangen genommen worden seien.