Wahlkampf in Griechenland

Samaras, Tsipras, Venizelos - Hauptakteure der griechischen Parteien

Allein ist keiner von ihnen stark genug, die Finanz- und Staatskrise in Griechenland zu meistern - doch sich zusammenraufen können oder wollen sie auch nicht.

Die drei Hauptakteure der griechischen Parteien im Überblick:

Athen. Antonis Samaras - der Mann, der auf seiner Meinung beharrt

Er ist groß und schlank, und er besteht auf seiner Meinung. Der Chef der konservativen Partei Nea Dimokratia (ND) lenkt nur dann ein, wenn er sieht, dass es um die Zukunft seines Landes geht. Mehrfach musste der 60-Jährige deswegen in seiner politischen Laufbahn zurückstecken. Als charismatisch gilt Samaras nicht. „Er kann die Massen nicht bewegen“, sagen seine Kritiker. Das ist zurzeit ein großer Nachteil, denn mit Alexis Tsipras von den radikalen Linken steht ihm ein geschickter Taktiker und guter Redner gegenüber.

In der größten Krise des Landes hatte Samaras der Bildung einer Regierung unter dem parteilosen Finanzexperten Lucas Papademos zugestimmt. Er billigte das harte Sparprogramm für Griechenland - der Rückhalt für seine Partei bröckelte. Am 6. Mai fuhr er eines der schlechtesten Wahlergebnisse in der Geschichte seiner Partei ein - dennoch wurde die ND stärkste Kraft im Parlament.

Beharrlichkeit durchzieht sein politisches Leben. „Für meine Ansichten bin ich elf Jahre am Rande des politischen Geschehens geblieben. Ich werde jetzt nicht meine Meinung ändern“, sagt Samaras immer wieder. Und er betont, das Sparprogramm sei zwar notwendig, es habe aber die Wirtschaft abgewürgt und führe das Land in die falsche Richtung. Investitionen müssten her.

Samaras wurde am 23. Mai 1951 als Spross einer reichen Familie in Athen geboren. Als junger Mann glänzte er mit sportlichem Elan und wurde griechischer Jugend-Tennismeister. Dann schickte ihn seine Familie in die USA zum Studieren. Dort lebte er im Internat eine Weile mit dem späteren sozialistischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou zusammen. Danach ging es weiter nach Harvard. 1977 kehrte er nach Griechenland zurück und wurde gleich als 26-Jähriger ins Parlament gewählt. Samaras ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Alexis Tsipras - Vom Schüleranführer zum Premier?

Er ist jung und dynamisch, er wirkt frech und manchmal auch arrogant. Bislang kann er sich das leisten: Dem politischen Senkrechtstarter ist es gelungen, das heterogene Bündnis der radikalen Linken (Syriza) von 4,5 Prozent (2007) auf stolze 16,8 Prozent (2012) zu bringen. Bislang hatten immer die Traditionsparteien ND (Konservative) und Pasok (Sozialisten) das Rennen unter sich ausgemacht. Diesmal könnte sie Tsipras überrunden und es sogar zum Ministerpräsidenten schaffen.

Seine politische Laufbahn begann er als Schüleranführer in den 90er Jahren, stieg dann schnell bis an die Spitze der Partei der ehemaligen „Eurokommunisten“ auf. 2004 wurde Tsipras zum Syriza-Präsidenten gewählt. Das Bündnis sieht sich als Schwesterpartei der deutschen Partei Die Linke.

Der 37-Jährige hat viele Gesichter. Mal spricht er wie ein Kommunist und will die Verstaatlichung der Produktionsmittel. Dann präsentiert er sich in der Art des US-Menschenrechtlers Martin Luther King, spricht von seinem Traum, dass alle Griechen eines Tages gleiche Rechte genießen. An das heimische Publikum gewandt, geißelt er das Sparprogramm und verspricht, es abzuschaffen. Wenn er mit ausländischen Diplomaten redet, spricht er von Reformen, die auch seine Partei für unbedingt notwendig halte.

In seinem Urteil kann Tsipras gnadenlos und verletzend sein. Die beiden Führer der bislang regierenden Parteien bezeichnete er als „politische Gauner“. Nach seinem Willen soll Griechenland in der Eurozone bleiben und die Banken verstaatlichen. Zudem will er, dass die Renten wieder erhöht und die Schulden nicht beglichen werden. Doch wie das alles zusammengehen soll, verrät er nicht. Die Reichen sollen zahlen. Nur die haben schon ihr Geld ins Ausland geschafft.

Venizelos: Ein Mann der Tat kämpft ums politische Überleben

Er ist groß, stark und sichtlich ein Freund guter Küche. Doch die Übernahme der Führung der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) ist Evangelos Venizelos nicht gut bekommen. Eine Entschuldigung hat er. Sein Vorgänger Giorgos Papandreou hatte ihm einen Scherbenhaufen hinterlassen. Unter ihm erlitt die einst starke Pasok eine Bruchlandung - nach 44 Prozent (2009) gerade noch 13,2 Prozent (2012). Doch Venizelos will jetzt nicht nachgeben. Bei der Wahl am 17. Juni kämpft er ums Überleben seiner Partei.

Der 55-Jährige wird als Mann der Tat beschrieben, der sich durchsetzen könne, spontan, mitunter impulsiv und sprachgewandt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten diente er in verschiedenen sozialistischen Regierungen: als Justizminister, Regierungssprecher, Kulturminister, im Kabinett von Papandreou als Verteidigungsminister. Als wegen der schweren Finanzkrise alles zusammenzubrechen drohte, holte ihn Papandreou ins Finanzministerium.

Der Jurist ist einer der bekanntesten griechischen Verfassungswissenschaftler, Professor an der Universität der Hafenstadt Thessaloniki. Dort wurde er am 1. Januar 1957 geboren. Venizelos stammt aus armen Verhältnissen aus dem Westteil Thessalonikis. Er ist verheiratet und hat eine Tochter.