Nuklear bestückte Marschflugkörper

Israel bestückt seine deutschen U-Boote mit Atomraketen

Die in Kiel gebauten Schiffe der Dolphin-Klasse sollen nuklear bestückte Marschflugkörper tragen. Verteidigungsminister Barak dementiert das nicht.

Hamburg. Während des zweiten Golfkriegs 1991 ließ der irakische Diktator Saddam Hussein rund 40 Raketen des Typs Scud auf Israel abfeuern - obwohl der jüdische Staat an diesem Krieg gar nicht militärisch beteiligt war. Es stellte sich heraus, dass deutsche Firmen bei der Reichweitenerhöhung der Scud und zudem bei der Produktion chemischer Waffen geholfen hatten.

Hätte Saddam die Scuds wie befürchtet mit chemischen Waffen bestückt, so wären Deutsche indirekt für den Tod Abertausender Juden mitverantwortlich gewesen. Angesichts dieses moralischen Dilemmas - und weil Jerusalem auf Gegenschläge auf Bagdad verzichtete - sagte die Bundesregierung Israel die lange versprochene Lieferung hochmoderner U-Boote zu. Drei Boote des Typs "Dolphin" wurden bereits geliefert, drei weitere werden bis 2017 übergeben, drei weitere könnten bestellt werden.

+++ Bundesregierung verteidigt U-Boot-Geschäft mit Israel +++

Jetzt haben Recherchen des "Spiegels" bestätigt, was Experten schon lange angenommen hatten: Dass Israel diese deutschen Boote mit atomar bestückten Marschflugkörpern ausrüstet. "Die Deutschen können stolz darauf sein, die Existenz des Staates Israel für viele Jahre gesichert zu haben", sagte der israelische Verteidigungsminister und ehemalige Premier Ehud Barak dem Nachrichtenmagazin.

Israel äußert sich ansonsten zu seinem Atomprogramm grundsätzlich nicht. Und die Bundesregierung hat stets beteuert, sie wisse von einer atomaren Bewaffnung der Boote nichts. Der "Spiegel" zitiert jedoch ehemalige Top-Beamte aus dem Verteidigungsministerium wie den früheren Staatssekretär Lothar Rühl oder den ehemaligen Chef des Planungsstabs, Hans Rühle, die erklärten, sie seien schon immer davon ausgegangen, dass Israel diese Boot mit Atomwaffen bestücke. Rühl sprach darüber mit Militärs in Tel Aviv.

Die ersten beiden U-Boote waren ein Geschenk an Israel; bei den anderen übernahm Deutschland bis zu einem Drittel der Baukosten. Bedingungen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel an den erst vor Kurzem unterzeichneten Liefervertrag für das sechste Boot geknüpft hatte - wie einen Stopp der expansiven Siedlungspolitik zulasten der Palästinenser sowie die Fertigstellung eines Klärwerks im Gazastreifen - wurden bislang von Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu ignoriert.

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert verteidigte die Lieferung: "Die Bundesregierung steht mit der Lieferung von U-Booten an Israel in der Kontinuität ihrer Vorgängerregierungen", sagte er "Spiegel Online". Die Lieferung erfolge ohne Bewaffnung. "An Spekulationen über die spätere Bewaffnung beteiligt sich die Bundesregierung nicht."

Israel benötigt diese U-Boote für eine Zweitschlagsfähigkeit. Falls ein anderes Land wie etwa der Iran Atomraketen auf das Territorium Israels abfeuern würde, könnten in Silos verbunkerte Atomwaffen damit zerstört werden. U-Boote könnten jedoch noch einen Gegenschlag von See aus ausführen - entsprechend der aus dem Kalten Krieg stammenden Weisheit: "Wer als Erster schießt, stirbt als Zweiter."

Die bei HDW in Kiel und den Nordseewerken in Emden gebauten und im Heimathafen Haifa stationierten Boote basieren auf dem deutschen Typ 209, sind jedoch eine Weiterentwicklung mit größerem Druckkörper, die damit in der Leistung und Ausstattung eher dem modernsten Typ 212 entspricht. Dieser Typ mit seiner Brennstoffzellentechnik gilt als das leistungsfähigste konventionelle U-Boot der Welt.

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