Präsidentenwahl in Ägypten

Sorge vor Gewalt - Mursi wirbt um Christen

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abendblatt.de

Mohammed Mursi wird Mitte Juni in einer Stichwahl gegen den früheren Luftfahrtminister Ahmed Schafik in einer Stichwahl antreten.

Kairo. Angriffe auf Büros des ägyptischen Präsidentschafts-Kandidaten Ahmed Schafik schüren die Angst vor Gewalt in der Endphase der Wahl. Demonstranten hatten in der Nacht zum Dienstag Lagerräume im Hauptquartier des früheren Ministerpräsidenten des 2011 aus dem Amt verjagten Staatschefs Husni Mubarak in Brand gesetzt und Computer zerstört. Der 70-jährige frühere Luftwaffenchef gilt als Vertreter des alten Systems und trifft im Juni in der Stichwahl auf den Kandidaten der Muslimbrüder, Mohammed Mursi. Dessen Partei dominiert das Parlament.

Die amtliche Nachrichtenagentur Mena meldete am Dienstag die Festnahme von vier Tatverdächtigen. Unter ihnen seien drei Gefolgsleute weltlicher und liberaler Parteien. Deren Anhänger hatten zwar maßgeblich zum Sturz Mubaraks beigetragen, doch wird ihre Revolution zwischen den Muslim-Brüdern und den Vertretern des Mubaraks zerrieben. „Wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera“, beschrieb ein Sprecher der Revolutionäre die Alternative Schafik oder Mursi.

Wahlsieger der Muslimbrüder in Ägypten umwirbt Christen

Nach seinem guten Abschneiden in der ersten Runde der ägyptischen Präsidentschaftswahl umwirbt der Kandidat der Islamisten jetzt die Christen. Mursi, der Mitte Juni in einer Stichwahl gegen den früheren Luftfahrtminister Schafik antreten wird, sagte am Dienstag vor der Presse in Kairo: „Die Christen sind Partner in dieser Nation, sie haben alle Rechten und Pflichten“. Er wolle keine Frau zwingen, das islamische Kopftuch zu tragen, betonte Mursi. Er gehört der Muslimbruderschaft an und hatte seinen Wahlkampf bisher unter dem Slogan „islamische Renaissance“ geführt. Etwa zehn Prozent der Ägypter sind Christen. Seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak im vergangenen Jahr klagen sie über zunehmende Diskriminierung am Arbeitsplatz und vor Gericht.

Um die Ängste vieler Ägypter vor einem Machtmonopol der Muslimbrüder zu zerstreuen, sagte Mursi zudem, er setze auf Gewaltenteilung. Wenn er Präsident würde, hieße dies nicht zwingend, dass auch der nächste Ministerpräsident ein Muslimbruder sein müsse. Bei der Parlamentswahl zur Jahreswende hatten die Muslimbrüder, die neben der inzwischen verbotenen Partei von Ex-Präsident Husni Mubarak schon seit Jahren die wichtigste politische Kraft waren, die meisten Mandate erhalten. Der neue Parlamentspräsident ist ein Muslimbruder.

Mursi hat gute Chancen, Präsident zu werden. Im ersten Wahlgang in der vergangenen Woche hatte er mehr Stimmen als der frühere Mubarak-Minister Schafik erhalten.

(reuters/dpa/abendblatt.de)

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