Gutachter streiten über Breiviks Zurechnungsfähigkeit

Oslo. Der Massenmörder Anders Behring Breivik hört unbewegt zu, wenn Teenager vor Gericht herzzerreißend über den Tod ihrer Freunde, ihren eigenen Überlebenskampf oder lebenslang zu erwartende Behinderungen berichten. Ob das ein Zeichen für kranke Unzurechnungsfähigkeit ist oder ein weiterer Ausdruck für durchdachtes, politisch motiviertes Morden - daran hängt das Urteil beim Osloer Prozess gegen den 33-Jährigen, der im Sommer 2011 insgesamt 77 Menschen tötete.

"Psychiatrische Verwirrung" kommentierte Harald Stanghelle von der Zeitung "Aftenposten", was aus den Fachkreisen über die offene Frage beim Prozess an die Öffentlichkeit dringt. Zwei Gutachten mit entgegengesetzten Schlussfolgerungen liegen dem Gericht vor: "Paranoid schizophren" und damit nicht schuldfähig, hieß es im ersten. "Zurechnungsfähig" hatten die Experten für ein zweites geurteilt.

Eine rechtsmedizinische Kommission hat sich bei der fachwissenschaftlichen Expertise für das Gericht ohne Einschränkung hinter das erste Gutachten gestellt. Das zweite wurde dagegen nur "zur Kenntnis genommen". Kommentatoren werteten das als gewichtige Weichenstellung für die fünf Richter. Das Gericht verlangte eine Klarstellung von der Kommission, ob sie das zweite Gutachten für fachlich akzeptabel hält oder nicht.

( (dpa) )

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