Syrien

Uno-Beobachter bewirken Freilassung von Regimegegnern

Die Beobachter konnten erstmals erfolgreich zwischen Regime und Opposition vermitteln. Sorge um Übergreifen des Konflikts auf Libanon wächst.

Damaskus/Beirut. Die Beobachter der Vereinten Nationen konnten zum ersten Mal seit Beginn ihrer Mission in Syrien erfolgreich zwischen dem Regime und der Opposition vermitteln. Die Beobachter hätten in der Ortschaft Chan Scheichun die Freilassung von zwei gefangenen Regimegegnern überwacht, teilte eine Sprecherin am Mittwoch mit. Die Bewohner von Chan Scheichun hätten der Armee im Gegenzug erlaubt, einen beschädigten Panzer abzutransportieren.

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Die Uno-Beobachter veröffentlichten ein Video vom Dienstag, in dem die Verhandlung und der Austausch zu sehen sind. Ebenfalls zu beobachten ist, wie Helfer des Roten Halbmondes die beiden freigelassenen Männer aus Chan Scheichun begleiten. Die unbewaffneten Militärbeobachter sind seit April in Syrien. Ihre Mission ist Teil eines Friedensplans von Uno-Vermittler Kofi Annan. Dieser sieht eine Waffenruhe und einen politischen Dialog zwischen dem Regime von Präsident Baschar al-Assad und der Opposition vor. Aktivisten meldeten am Mittwochmorgen Angriffe der Regierungstruppen auf Chan Scheichun.

Im Norden Syriens haben Rebellen nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Dienstag elf libanesische Schiiten und ihren syrischen Fahrer entführt. Die Opfer waren auf dem Heimweg von einer Pilgerreise in den Iran, als sie in der syrischen Provinz Aleppo von den Rebellen angehalten und verschleppt wurden, meldete die amtliche syrische Nachrichtenagentur SANA. Die mitreisenden Frauen seien freigelassen worden und an einem sicheren Ort, hieß es weiter. Libanesische Sicherheitskräfte bestätigten die Entführung.

Im schiitischen Teil der libanesischen Hauptstadt Beirut setzten Bewohner aus Protest gegen die Entführung Reifen in Brand. Der Führer der militanten libanesischen Hisbollah-Miliz, Scheich Hassan Nasrallah, rief in einer Fernsehansprache zur Ruhe auf und warnte seine Anhänger vor Vergeltungsmaßnahmen an Syrern. „Das ist streng verboten“, sagte Scheich Nasrallah in einer übertragenen Rede.

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Die Entführung dürfte die Sorge verstärken, dass der seit 15 Monaten andauernde blutige Konflikt in Syrien auf das Nachbarland Libanon übergreifen könnte. In der Nacht zum Montag waren bei Straßenkämpfen zwischen pro- und antisyrischen Gruppen in Beirut mindestens zwei Menschen getötet und 15 verletzt worden. Auslöser der Kämpfe war die Tötung eines syrienkritischen Geistlichen am Vortag im Nordlibanon. Der Libanon ist in der Syrien-Frage tief gespalten. Es gibt eine Reihe klar pro-syrischer Parteien, und auch Teile der Bevölkerung unterstützen die Regierung von Präsident Assad. Die andere Seite ist gegen Assad, unter anderem, weil sie befürchtet, Syrien habe noch immer zu viel Einfluss im Libanon.

Mit Material von dpa/dapd