Nationalist Nikolic neuer Präsident in Serbien

BelGrad. Zeitenwende in Serbien. Entgegen allen Umfragen und Prognosen hat der nationalistische Oppositionsführer Tomislav Nikolic gestern völlig überraschend die Stichwahl zur Präsidentschaft gewonnen. Nach verlässlichen Hochrechnungen lag er gestern Abend mit 49,4 Prozent der Stimmen uneinholbar vor dem langjährigen europafreundlichen Amtsinhaber Boris Tadic (47,4 Prozent). "Serbien hat einen neuen Präsidenten", riefen Tausende begeisterte Anhänger von Nikolics Fortschrittspartei (SNS) und feierten in Belgrad ihren Parteichef. Das Staatsfernsehen sprach von einem "politischen Erdrutsch".

"Ich beglückwünsche ihn zum Sieg", räumte der 54-jährige Tadic seine Niederlage ein. "Ein klarer Erfolg, die Wahlen waren fair", sagte der Unterlegene. "Es gibt doch eine göttliche Gerechtigkeit", jubelte Wahlsieger Nikolic. Der 60-Jährige, der zuvor zweimal erfolglos gegen Tadic angetreten war, galt in dem Balkanland schon als der "ewige Verlierer". Die Wahlbeteiligung war außergewöhnlich niedrig. Nur rund 45 Prozent der 6,8 Millionen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Daneben soll es nach inoffiziellen Informationen bis zu 100 000 ungültig gemachte Stimmzettel gegeben haben.

Mit dem Erfolg des Nationalisten steht der EU-Beitritt Serbiens erneut auf dem Prüfstand. Nikolic bemühte sich aber noch in der Wahlnacht, Zweifel an seinem politischen Kurs zu zerstreuen. "Serbien wird nicht vom europäischen Weg abweichen", sagte er vor seinen jubelnden Anhängern.

( (dpa) )