Berlin. Was ist Fakt, was ist Fake? Eine Umfrage zeigt, dass die Desinformation im Internet den Deutschen Angst macht – und was helfen könnte.

Die Deutschen sind verunsichert. Sie zweifeln, dass sie sich auf die im Internet verbreiteten Informationen verlassen können. Vor allem sehen sie die Demokratie massiv gefährdet. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor, die am Mittwoch vorgestellt wurde.

Für die Studie „Verunsicherte Öffentlichkeit“ ließ die Stiftung nach eigenen Angaben im Oktober 2023 in Deutschland rund 5.000 ab 16 Jahren durch ein Meinungsforschungsinstitut online befragen. Die Daten seien jeweils repräsentativ:

  • Für 84 Prozent stellen vorsätzlich verbreitete Falschinformationen im Internet ein großes Problem für unsere Gesellschaft dar.
  • 81 Prozent sind der Ansicht, dass Desinformation die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet.
  • 54 Prozent sagen, das Thema Desinformation bekäme zu wenig Aufmerksamkeit.
  • Über 90 Prozent glauben, dass Akteure so die politische Meinung in der Bevölkerung beeinflussen wollen.

In den USA ist die Polarisierung größer

Am häufigsten wird Desinformation in sozialen Medien, auf Blogs und Nachrichtenseiten sowie in Messenger-Diensten wahrgenommen. Die meisten Befragten glauben, dass Desinformation sowohl aus dem rechten als auch dem linken Spektrum verbreitet werde. Zwei Drittel machen Protest- und Aktivistengruppen verantwortlich, gefolgt von Bloggerinnen und Blogger, Influencerinnen und Influencer (60 Prozent), ausländischen Regierungen (53 Prozent) sowie Politikerinnen und Parteien in Deutschland (50 Prozent).

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70 Prozent der Befragten meinen, dass Desinformation ein Problem für andere Menschen darstelle. Nur 16 Prozent sehen darin ein Risiko für sich selbst.

Soziale Medien, Blogs, Nachrichtenseiten, Messenger-Dienste: Felder für Fake-News
Soziale Medien, Blogs, Nachrichtenseiten, Messenger-Dienste: Felder für Fake-News © iStock | Oatawa

Bemerkenswert an der Umfrage ist, dass sie Vergleiche zu den USA ermöglicht; wenn auch im engen Raum. Denn: Es wurden auch Menschen in den USA befragt, aber nur 2.000 Personen. Das Missverhältnis fällt sofort auf: weniger als in Deutschland, obwohl die USA größer sind.

Faktenchecks und Vertrauensbewertungen würden helfen

Dessen ungeachtet legt die Studie nahe, dass die Verunsicherung über den Wahrheitsgehalt von Inhalten und die Wahrnehmung von Desinformation dort stärker ausgeprägter ist als in Deutschland. Die Befragten aus den USA machten häufiger Politikerinnen und Politiker sowie Parteien für Desinformation verantwortlich und betrachteten das jeweils andere politische Lager als Absender. „Darin zeigt sich die Polarisierung in den USA, die nicht zuletzt auch in den Wahlkämpfen immer wieder zutage tritt“, analysiert Kai Unzicker, Co-Autor der Studie.

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Ebenfalls auffällig: Während 70 Prozent der Befragten in Deutschland meinen, dass Desinformation ein Problem für andere Menschen darstelle und nur 16 Prozent ein Risiko für sich selbst sehen, sind die Amerikaner selbstkritischer. Von ihnen sorgen sich 39 Prozent darum, selbst von Desinformation getäuscht zu werden. Entsprechend überprüfen sie Inhalte häufiger und kritischer.

Die Studie wirbt dafür, dass Politik, Medien und Zivilgesellschaft in Deutschland auf den Plan gerufen werden. „Wir brauchen bessere Vorgaben. Die sozialen Netzwerke sollten verpflichtet sein, Faktenchecks und Vertrauensbewertungen einzubinden“, so Cathleen Berger, Digitalexpertin und Co-Autorin der Studie. Generell müsste es Nutzern erleichtert werden, Informationen zu überprüfen.

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