Berlin. Familienfreundlich wollen alle Parteien seien. Aber die Familienstartzeit zeigt: Wenn es darauf ankommt, hat es niemand richtig eilig.

Wer demnächst Vater wird, hat wahrscheinlich dem Chef schon einmal Bescheid gegeben: dass er demnächst Urlaub nehmen wird, oder vielleicht direkt Elternzeit. Das sind die gängigsten Wege für neue Väter, nach der Geburt eines Kindes bei ihrer Familie zu sein.

Auf die von der Ampel-Koalition versprochenen zwei Wochen Freistellung („Vaterschaftsurlaub“) können Väter dafür erst einmal nicht zählen. Denn die gibt es immer noch nicht.

Dabei geht es um mehr als nur eine symbolische Anerkennung. Die Tage nach der Geburt können einen Grundstein legen für einen partnerschaftlichen Umgang lang über diese Zeit hinaus. Sie machen Familien das Leben ein bisschen leichter. Und die Politik könnte zeigen, dass sie Elternschaft von Beginn an nicht nur als Aufgabe von Müttern betrachtet.

Theresa Martus, Korrespondetin Bundespolitik
Theresa Martus, Korrespondetin Bundespolitik © Funke Foto Services | Reto Klar

Eltern sind eine kleine Wählergruppe, und eine, die zu viel zu tun hat, um das Land lahmzulegen

Und das alles für den vergleichsweisen Schnäppchenpreis von einer halben Milliarde Euro. Keine Frage, das ist eine Menge Geld. Aber der Bundeshaushalt 2023 hatte ein Volumen von 476 Milliarden Euro, das Bruttoinlandsprodukt 2022 lag bei 3877 Milliarden Euro. Ohne die Kosten für die Familienstartzeit kleinreden zu wollen: Eine halbe Milliarde für Familien ließe sich wohl auftreiben.

Dass das zwei Jahre nach dem Start der Ampel-Koalition trotzdem noch nicht geschehen ist, ist symptomatisch. Das Etikett „familienfreundlich“ will sich zwar jeder der drei Koalitionspartner gern an den Hut heften. Aber im politischen Alltag zeigt sich: So richtig eilig hat es niemand. Warum auch – Eltern sind eine Wählergruppe, die zu viel zu tun hat, um für ihre Interessen die halbe Republik lahmzulegen. Ihre Themen kann man als Partei deshalb problemlos ein ums andere Mal verschieben.

Familien kann man deshalb wohl nur raten, die Kinderwagen gegen Trecker zu tauschen, wenn sie gehört werden wollen. Vielleicht bewegt sich dann etwas.