Gas-Engpässe

Bundesnetzagentur: Gaspreis könnte Höhepunkt erreicht haben

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Gaspreise für Verbraucher könnten sich verdreifachen

Gaspreise für Verbraucher könnten sich verdreifachen

Verbraucherinnen und Verbraucher müssen mit explodierenden Gaspreisen ab dem kommenden Jahr rechnen: Die Bundesnetzagentur warnt vor einer Verdreifachung des Betrags der Gasrechnungen.

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Bundesnetzagenturchef Müller warnt vor Panik und sieht Hinweise darauf, dass die Gaspreise nicht weiter steigen werden.

Berlin. Der Präsident der Bundesnetzagentur und ehemalige Umweltminister in Schleswig-Holstein, Klaus Müller hält es für möglich, dass die Gaspreise aktuell ein Plateau erreicht haben. Es habe trotz der Abschaltung der Nord-Stream-1-Pipeline in der vergangen Woche "keinen signifikanten Preissprung mehr gegeben", sagte Müller der „Bild am Sonntag“.

Das könne bedeuten, dass „die Märkte den Ausfall russischer Gas-Lieferungen bereits eingepreist und wir ein Gas-Preis-Plateau erreicht haben.“ Ob diese höheren Preise, "die wir der russischen Gas-Reduzierung verdanken", kurzfristig weitergegeben werden müssten, sei noch nicht entschieden.

Gas-Preise: Müller ruft zur Besonnenheit auf

Mit Blick auf die Versorgungslage in Deutschland rief der Bundesnetzagentur-Präsident zur Besonnenheit auf. "Wir dürfen nicht in Panik verfallen", sagte Müller. Private Haushalte müssten sich von allen am wenigsten Sorgen machen. "Sie werden am längsten mit Gas versorgt, deutlich länger als etwa die Industrie", so der Bundesnetzagentur-Präsident.

Wärmehallen für bedürftige Menschen, spielten in der Planung der Bundesnetzagentur keine Rolle. Das bestätigte Müller nochmal mit Blick auf Berichte, denen zufolge in manchen deutschen Kommunen beheizte Gemeinschaftsräume für bedürftige Menschen geplant seien.

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Solidarität den Nachbarländern gegenüber

Müller appellierte für die Solidarität Deutschland seinen Nachbarländern gegenüber. Im Falle eines Gas-Embargos müsse Deutschland sich solidarisch verhalten und im Notfall auch Gas aus deutschen Speichern für die Versorgung der kritischen Infrastruktur in anderen Ländern bereitstellen.

"Wir haben unseren Nachbarn gegenüber eine Solidaritätsverpflichtung und sind gut beraten, sie nicht zu verletzen", so Müller. "So wie wir gerade von den Flüssiggas-Häfen in Belgien und den Niederlanden profitieren, stehen wir auch in der Pflicht, in einer Notlage bei der Versorgung von privaten Haushalten oder Krankenhäusern unseren Nachbarländern zu helfen."

Noch zwei Winter mit Bedrohung

Deutschland müsse noch zwei Winter lang mit der Bedrohung eines Gas-Embargos leben, sagte Müller. „Für den Sommer 2024 rechnet der Bundeswirtschaftsminister damit, dass wir dann unabhängig von russischem Gas sein können. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Preise werden wohl nicht wieder so niedrig, wie sie mal waren“, so der Bundesnetzagentur-Präsident.

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Buschmann hält nichts von Moratorium

Bundesjustizminister Marco Buschmann sieht den Vorstoß von Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke zu einem Moratorium für Strom- und Gassperren kritisch. "Ich bin im Zweifel, ob ein pauschales Moratorium für Strom- und Gassperren eine gute Idee ist", sagte Buschmann unserer Redaktion.

Von einem solchen Moratorium profitierten Menschen, die sich die Kosten leisten könnten, so Buschmann. "Es sei denn, man würde sehr komplizierte Regeln aufstellen, wie man diejenigen, die zahlen wollen, aber nicht können, von denen unterscheidet, die zahlen können, aber nicht wollen." Diese Regeln würden vermutlich zu viel Streit und vielen Gerichtsverhandlungen führen, warnte Buschmann.

(dpa/ari)

Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.

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