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Wer profitiert von den hohen Preisen für Diesel und Benzin?

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Hohe Energiepreise: Bundesregierung prüft Entlastungen für Verbraucher

Hohe Energiepreise: Bundesregierung prüft Entlastungen für Verbraucher

Angesichts steigender Energiepreise wird die Bundesregierung "immer wieder" sozialpolitische Maßnahmen prüfen, um Verbraucher zu entlasten. Das sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nach einer Energieministerkonferenz von Bund und Ländern.

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Der Krieg in der Ukraine lässt derzeit die Spritpreise an deutschen Tankstellen stark ansteigen. Doch wohin fließt das Geld eigentlich?

Berlin. Die Preise an der Zapfsäule für Benzin und Diesel waren schon vor dem Krieg in der Ukraine hoch. Der Angriff Russlands hat die Spritpreise weiter in die Höhe getrieben. Wem bringen diese hohen Preise etwas?

  • Der steigende Preis für Rohöl lässt auch die staatlichen Einnahmen durch die Mehrwertsteuer steigen.
  • Energiesteuer und CO2-Abgabe steigen nicht mit dem Spritpreis an.
  • Tankstellen erzielen keine höheren Gewinne durch die höheren Preise für Diesel und Benzin.
  • Das zusätzliche Geld kommt Raffinerien und Mineralölkonzernen zugute.

Der Staat nimmt durch die steigenden Preise mehr Steuern ein: Steigt der Preis für Rohöl, steigt entsprechend auch das Geld, was durch die 19 Prozent Mehrwertsteuer eingenommen wird. Allerdings zeigt eine Rechnung, wie sie die "taz" beschreibt, dass der Großteil der höheren Preise nicht dem Staat zugute kommt.

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Das bringen die Steuereinnahmen dem Staat

Demnach betrug der Preis für Rohöl der Sorte Brent am Montag 108 Dollar pro Barrel. Dies entspricht in etwa 100 Euro. Vor Beginn des Krieges lag dieser Preis bei 82 Euro (Stand vom 23. Februar). Ein Barrel entspricht knapp 159 Litern. Ein Liter Rohöl ist damit 11 Cent teurer als vor Beginn des Kriegs. Auf dem bisherigen Höchststand am vergangenen Dienstag waren es sogar 19 Cent mehr als noch Ende Februar.

Der Preisanstieg an den Tankstellen ist dagegen um ein Vielfaches höher als diese Werte für Rohöl. Am 23. Februar kostete der Liter Super E10 in Deutschland durchschnittlich 1,81 Euro. Inzwischen sind es ungefähr 2,26 Euro und damit 45 Cent pro Liter mehr. Beim Diesel stieg der Preis an der Zapfsäule im gleichen Zeitraum von 1,67 Euro auf 2,31 Euro – also um 64 Cent. Während der Rohölpreis derzeit wieder etwas sinkt, bleiben die Spritpreise weiterhin hoch.

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Nur ein kleiner Teil dieses Preisaufschlags landet beim Staat, denn die Energiesteuer sowie der CO2-Preis sind Festbeträge pro Liter. Nur bei der Mehrwertsteuer verhält es sich anders. Ohne die Mehrwertsteuer bleibt noch ein Preisanstieg von etwa 38 Cent pro Liter beim Benzin und 54 Cent je Liter Diesel.

Hohe Preise bei Benzin und Diesel lassen Verbraucher an anderer Stelle sparen

Dem Staat bringen die höheren Preise an den Tankstellen wenig, sagte Ökonom Jens Boysen-Hogrefe dem "Business Insider". Die hohen Kosten für die Verbraucherinnen und Verbraucher hätten zur Folge, dass sie an anderer Stelle den Konsum runterschrauben, wo wiederum keine Steuern eingenommen werden könnten.

So wäre es beispielsweise für den Staat besser, wenn eine Familie Geld für einen Restaurant-Besuch ausgibt, als für Benzin oder Diesel. Auch wenn sich einige Menschen in Deutschland aufgrund der Spritpreise dafür entscheiden, weniger Auto zu fahren, bringe das für den Staat weniger Steuereinnahmen.

Auch Tankstellen haben nicht viel von den zusätzlichen Gewinnen, da sie meist eine feste Provision pro verkauftem Liter Sprit erhalten. So bleiben am Ende nur die Raffinerien, in denen Rohöl zu Benzin oder Diesel veredelt wird, als Profiteur der steigenden Preise. "Die Raffinerien verdienen derzeit deutlich mehr Geld als vorher", räumte ein Sprecher des deutschen Mineralölwirtschaftsverbands EN2X gegenüber der "taz" ein.

Russische Konzerne werden nicht boykottiert, trotzdem wird weniger Rohöl geliefert

Da die Nachfrage derzeit das Angebot übersteige, können die Anlagen, die oft großen Mineralölkonzernen gehören, Knappheitspreise erzielen. Zwar werden Öl und Ölprodukte aus Russland derzeit nicht boykottiert, jedoch sind die Lieferungen deutlich zurückgegangen.

Viele Händler würden ein mögliches Importverbot bereits vorwegnehmen, sagt auch Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Tankstellenverbandes ZTG, gegenüber "n-tv". Somit werde vor allem beim Diesel der Treibstoff knapper und teurer. Es sei außerdem nicht auszuschließen, dass manche Mineralölunternehmen versuchen, sich einen finanziellen Puffer anzulegen, für den Fall, dass die Preise wieder sinken. (lg)

Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.

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