Kongsberg

Attentat in Norwegen: Terror mit Waffen aus dem Baumarkt

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Leon Grupe
Norwegen: Trauer in Kongsberg um die Opfer

Norwegen: Trauer in Kongsberg um die Opfer

In der norwegischen Stadt Kongsberg südwestlich von Oslo gedenken die Bewohner der fünf Todesopfer des Anschlags eines Bogenschützen. "Wir müssen füreinander da sein", sagte eine Bewohnerin.

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Keine Flugzeuge oder Lastwagen, sondern Pfeil und Bogen. Kongsberg zeigt: Europa hat ein Problem mit einer neuen Art von Terroristen.

Berlin. Immer wieder sorgen Terroranschläge für Entsetzen und lassen ganze Länder in Schockstarre verfallen. Der Angriff eines Bogenschützen in der norwegischen Stadt Kongsberg am Mittwochabend ist das jüngste Beispiel einer langen Liste von Attentaten der vergangenen Jahre – ob von Islamisten oder Rechtsextremisten.

Dabei nutzen Angreifer nicht nur Gewehre oder Pistolen für ihre Gewalt, sondern immer wieder auch Waffen, die leicht zu besorgen sind, etwa Messer oder Äxte, die man im Supermarkt oder Baumarkt kaufen kann.

Anschläge von 9/11 gelten als beispiellos

Das aber war nicht immer so: Der 11. September 2001 ist eine Zäsur. Einen vergleichbaren Anschlag hat es bis heute nicht gegeben, nicht nur, was Opferzahlen und Folgen angeht. Auch den Aufwand und die Vorbereitung, den die Terroristen von Al-Kaida betrieben, indem sie Flugtraining nahmen und die Flugzeugentführungen über Jahre hinweg planten, bleibt beispiellos. Unter Dschihadisten gilt „9/11“ noch immer als Musterbeispiel eines Terrorakts.

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Mit dem Aufstieg des „Islamischen Staates“ (IS) begann 2015 eine Zeit der geplanten Angriffe in Europa mit sogenannten Hit-Teams. Die Attentäter von Paris und Brüssel griffen an strategischen Orten wie einem Flughafen oder einem Konzertsaal an, schossen wahllos in die Menge, zündeten Sprengstoffgürtel. Auch dieser Anschlag war minutiös geplant. Ähnlich organisiert plante die Gruppe des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) in Deutschland die Morde an zehn Menschen.

Ferngesteuert aus dem Ausland: Immer mehr Einzeltäter mit einfachen Waffen

Mittlerweile zeigen sich die Sicherheitsbehörden alarmiert wegen eines Trends zu Einzelkämpfern. Sie nennen diesen neuen Typus „Solo-Terroristen“, die nicht in Terrorcamps ausgebildet werden, sondern höchstens über Messengerdienste „ferngesteuert“ aus dem Ausland. Ihre Waffen sind oft einfach: so wie in Nizza oder Berlin 2016 mit einem geklauten Lastwagen. Oftmals nutzen die Täter auch nur ein Messer oder eine Axt.

Mehr dazu: IS: Wie sich Dschihadisten in Deutschland neu organisieren

Etliche dieser Angriffe durch ideologisierte allein handelnde Täter musste Europa erleben. Die Angreifer benötigen wenig Planung, keine spezielle Ausbildung, nicht viel Geld, schlagen spontan und schnell los. Oftmals unmittelbar in ihrer Umgebung. Beim Attentat von Kongsberg in Norwegen deuten erste Erkenntnisse der Ermittler darauf hin, dass der Täter allein handelte. Auch er griff Menschen vor Ort an. Nur seine Waffe war ungewöhnlich: Pfeil und Bogen.

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