Wahlkreise

Diese bekannten Politiker müssen um ihr Direktmandat zittern

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Leon Grupe
Das Reichstagsgebäude mit dem Bundestag. Rund 60,4 Millionen Wahlberechtigte sind am Sonntag aufgerufen das 20. Deutschen Bundestag zu wählen.

Das Reichstagsgebäude mit dem Bundestag. Rund 60,4 Millionen Wahlberechtigte sind am Sonntag aufgerufen das 20. Deutschen Bundestag zu wählen.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Die Direktmandate zahlreicher Politiker stehen bei der Wahl auf der Kippe. Gerade die SPD könnte von einem schwachen Ergebnis der CDU profitieren.

Berlin. Viele Politikerinnen und Politiker - vor allem von der CDU - müssen kurz vor der Wahl um ihr Direktmandat bangen. Zu ihnen gehören namhafte Kandidaten wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Verteidigungsministerin Annegret Kamp-Karrenbauer, die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Philipp Amthor, Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern.

Ähnlich geht es auch Paul Ziemiak oder Hans-Georg Maaßen, Ex-Verfassungsschutzpräsident. Sie alle haben in ihren Wahlkreisen starke Konkurrenz: Altmaier etwa muss sich gegen Außenminister Heiko Maas (SPD) behaupten.

Als Grund wird die allgemeine Schwäche der Christdemokraten in den Umfragen angeführt. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, könnte die Union mit einer Wahrscheinlichkeit von 85 Prozent 29 Direktmandate verlieren – die Mehrheit davon an die SPD.

Viele Politiker können es über Landeslisten ins Parlament schaffen

Das bedeutet nicht automatisch das politische Aus. Denn die meisten prominenten CDU-Politiker sind über Landeslisten abgesichert. Heißt: Sie könnten auch ohne ein Mandat ins Parlament einziehen.

Auch bekannte Sozialdemokraten müssen um ihr Direktmandat zittern. Zu ihnen gehört Karl Lauterbach. Der Gesundheitsexperte, der sich in der Corona-Krise profiliert hat, steht vor dem besonderen Dilemma, dass sein Landesverband ihn auf einen aussichtslosen 23. Platz auf der Liste gewählt hat. Verliert er das Direktmandat, ist seine Zeit im Bundestag wohl passé.

Scholz und Baerbock kämpfen um denselben Wahlkreis

Lauterbach ist damit nicht allein in seiner Partei. Kevin Kühnert, seit 2019 stellvertretener Bundestagsvorsitzender, kämpft ebenfalls um einen Sitz im Parlament. Kühnerts Problem: In seinem Berliner Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg konkurriert mit ihm um Platz eins ein Urgestein der Grünen: Renate Künast, ehemalige Landwirtschaftsministerin und Fraktionschefin und seit fast 20 Jahren im Bundestag.

Brisant wird es am Sonntag im Wahlkreis 61 (Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II) zugehen. Dort wohnen mit Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) nicht nur gleich zwei Kanzlerkandidaten, beide streiten auch um ein Direktmandat. Scholz, der in dem Wahlkreis zum ersten Mal antritt, kann der Sache jedoch gelassen entgegensehen: In Brandenburg wählten ihn die Genossen auf Rang eins der Landesliste. Und auch für Kühnert wäre der Traum vom Bundestag ohne Mandat nicht geplatzt – in Berlin hat er es auf den dritten Platz der Liste geschafft.

Weiter südlich in Stuttgart versucht indes Cem Özdemir erneut, das Direktmandat zu erobern. Der einstige Vorsitzende und Spitzenkandidat der Grünen unterlag 2017 dem CDU-Politiker Stefan Kaufmann. Und in diesem Jahr erschwert noch eine andere Personalie den Wettkampf für Özdemir: Mit Bernd Riexinger von Die Linke tritt in dem Wahlkreis ein weiterer bundesweit bekannter Politiker an. Am Ende kann nur einer gewinnen.

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