Bundestagswahl 2021

Bundestagswahl: Wann wird das Endergebnis veröffentlicht?

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"Für die Union ein echtes Desaster" – Kommentar von Jörg Quoos

"Für die Union ein echtes Desaster" – Kommentar von Jörg Quoos

Spannender Wahlkampf: Jörg Quoos, Chefredakteur der Funke Zentralredaktion, ordnet die Ergebnisse am Wahlabend ein. Ein Kommentar.

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Die Bundestagswahl dürfte sehr knapp ausfallen. Erste Hochrechnungen zeigen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Doch wie zuverlässig sind sie?

Berlin. 
  • Die ersten Hochrechnungen der Bundestagswahl sind veröffentlicht worden
  • Doch wie sicher sind die? Und wann werden die endgültigen Wahlergebnisse veröffentlich?
  • Wir klären die wichtigsten Fragen

Die Bundestagswahl 2021 dürfte eine der knappesten Entscheidungen der deutschen Wahlgeschichte werden. Selten war das Rennen der Kontrahenten um das Kanzleramt laut Umfragen derart eng. Gleichzeitig wird es wohl das erste Mal in der Historie der Bundesrepublik bei der Regierungsbildung zu einer Koalition von drei Parteien oder mehr kommen. Selbst ein Zweierbündnis von SPD und Union dürfte aller Voraussicht nach nicht die nötige Mehrheit der Wählerstimmen auf sich vereinen.

Dementsprechend haben die die Wähler am 26. September die ersten Ergebnisse und Hochrechnungen mit großer Spannung erwartet. Wann welche Ergebnisse veröffentlicht werden und wie sie zustande kommen, lesen Sie in dieser Übersicht.

Wann werden die ersten Wahlergebnisse veröffentlicht?

Für die Verkündung des vorläufigen Wahlergebnisses ist der diesjährige Bundeswahlleiter Georg Thiel zuständig. Wie bei den vergangenen Bundestagswahlen auch wird er das vorläufige Endergebnis in der Nacht zum 27. September bekannt geben. Eventuell muss man dafür aber bis in die frühen Morgenstunden warten.

Das vorläufige Endergebnis für 2017 wurde um 5.25 Uhr verkündet. Gerade dieses Jahr könnte die rekordverdächtige Stimmenabgabe per Briefwahl die Bekanntmachung verzögern. Das endgültige Wahlergebnis muss dann noch durch den Bundeswahlausschuss geprüft und bestätigt werden, bevor es verkündet wird. Das kann bis zu drei Wochen dauern.

Mit der Schließung der Wahllokale um 18 Uhr werden jedoch aller Voraussicht nach die ersten Prognosen erwartet. Diesen liegen aber keine Hochrechnungen von vorliegenden Stimmen zugrunde, sondern sogenannte "Exit Polls". Dabei handelt es sich um anonyme Befragungen von Wählern kurz nach der Stimmabgabe im Wahllokal.

Die ersten Hochrechnungen sind bereits veröffentlich worden.

SPD CDU/CSU Grüne FDP AfD Die Linke Sonstige
25,7 24,1 14,8 11,5 10,3 4,9 8,7

299 von 299 Wahlkreisen sind ausgezählt. Die Daten stammen vom Bundeswahlleiter (Stand 4.30 Uhr) und sind in Prozent angegeben.

Wie zuverlässig sind die Umfragen?

Zum möglichen Ausgang der Wahl gibt es viele verschiedene Umfragen. Doch bei den Ergebnissen der sogenannten Sonntagsfrage unterscheiden sich die Ergebnisse, Befragungszeiträume und auch Teilnehmerzahlen teils deutlich. Wie viel Aussagekraft haben diese Umfragen dann und wie erklären sich die Unterschiede?

"Umfrageergebnisse sind immer spannend und interessant, sollten aber eben auch nicht überbewertet werden", sagt Wahlforscher Thorsten Faas von der Freien Universität Berlin. Denn die Durchführung von belastbaren Umfragen sei in den vergangenen Jahren immer komplizierter geworden.

Vor allem müsse aber beachtet werden, dass die Ergebnisse bereits bestehender Umfragen wiederum die Ergebnisse kommender Umfragen verändern könnten. "Viele Menschen nehmen Umfragen wahr, manche reagieren vielleicht sogar darauf und verändern ihr Wahlverhalten – das kann bis zum letzten Tag passieren", sagt Faas. Dementsprechend könne niemand sicher sein, dass bei den ersten Prognosen um 18 Uhr nicht ein anderes Ergebnis veröffentlicht werde, als im Vorhinein erwartet.

Wie zuverlässig sind die 18-Uhr-Prognosen?

Durch die Corona-Pandemie wird es dieses Jahr ein sehr hohes Aufkommen an Briefwählern geben. Da sie logischerweise nicht vor den Wahllokalen für die "Exit Polls" befragt werden können, werden sie anhand von "Vorwahlerhebungen und der Erfahrungen aus der Vergangenheit mit eingepreist", erläutert Pressesprecherin Irina Roth vom Umfrageinstitut Infratest dimap. Die 18-Uhr-Prognosen könnten daher eine "etwas größere Differenz zum Endergbnis aufweisen als vor vier Jahren", so Roth. Auch Wahlforscher Faas mahnt zur Vorsicht: "In diesem Jahr ist einfach alles dynamisch."

Wie zuverlässig sind die Hochrechnungen?

Zuverlässiger dürften da schon die ersten Hochrechnungen sein. Doch auch hier gilt durch das hohe Aufkommen an Briefwählern aller Voraussicht nach: Je früher das Erscheinungsdatum, desto größer das Risiko für Abweichungen vom Wahlergebniss.

"Es wird alles später fertig, bis hin zum vorläufigen amtlichen Endergebnis", sagt Meinungsforscher Matthias Jung vom Institut "Forschungsgruppe Wahlen". Erfahrungsgemäß bräuchten die Briefwahlstimmbezirke einfach länger bei der Auszählung. Bei einem knappen Wahlausgang könne daher auch das politische Ergebnis der Wahl eventuell erst recht spät verlässlich ermittelbar sein.

Wie kommen Hochrechnungen und Umfrageergebnisse zustande?

Für die 18-Uhr-Prognosen werden Wähler vor den Wahllokalen kurz nach ihrer Stimmabgabe anonym befragt. Die Stimmen der nicht befragten Briefwähler werden von den Meinungsforscher dann mittels Erfahrungswerten von vergangenen Bundestags- und auch Landtagswahlenmit einberechnet. "Zusätzlich zu diesen Erfahrungswerten erfassen wir schon morgens die Zahl der Briefwahlanträge in den Stimmbezirken unserer Stichprobe für die Prognose und Hochrechnung, so dass wir dann den Umfang des zu erwartenden Briefwahleffektes genauer bestimmen können", sagt Jung von der "Forschungsgruppe Wahlen".

In die Hochrechnungen fließen zunächst logischerweise die bereits von den Wahlvorständen veröffentlichen Ergebnisse. Dazu kommen Stichproben von zufällig ausgewählten Wahlbezirken, aus denen Korrespondenten die Ergebnisse an die Meinungsforschungsinstitute übermitteln. Unter diesen bereits im Vorhinein bestimmten Wahlbezirken befinden sich auch Briefwahlbezirke. (bml/jas)

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