Raumfahrt

Russland plant Mission zum Jupiter mit einem Atomreaktor

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Yannick Höppner
Russland bietet eine Sojus-Raumkapsel zum Verkauf an

Russland bietet eine Sojus-Raumkapsel zum Verkauf an

Die russische Raumfahrtbehörde Roscosmos will erstmals eine ihrer Sojus-Kapseln zum Verkauf anbieten. Wie viel das Shuttle kostet bleibt ein Geschäftsgeheimnis. Der russische Raumfahrtsektor leidet derzeit sowohl unter Budgetkürzungen, als auch unter der internationalen Konkurrenz. du lancement de l'engin spatial Soyouz MS-08 en mars 2018

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Die russische Raumfahrtbehörde will sich im All unabhängig machen. Neben der Atom-Mission ist auch eine eigene Raumstation geplant.

Berlin. Der Jupiter ist ungefähr hundertmal so weit entfernt wie der Mars von unserer Erde. Genauer gesagt: 588 Millionen Kilometer – an seinem der Erde nahesten Punkt. Die russische Raumfahrtbehörde Roscosmos hat nun verkündet, den Planeten erreichen zu wollen. Bereits 2030 soll die Mission starten. Doch nicht nur das Ziel ist besonders: Das Raumfahrzeug soll mithilfe eines Atomreaktors angetrieben werden.

Eine Raumfahrtmission, wie sie Russland plant, hat es noch nicht gegeben. Vier Jahre lang soll sie dauern. Das dafür vorgesehene Energiemodul mit dem Namen Zeus wird bereits seit 2010 entwickelt und wiegt um die 22 Tonnen. Hauptbestandteil von Zeus ist ein 500-Kilowatt-Atomreaktor, anders gesagt, ein mobiles Atomkraftwerk.

Mond, Mars, Jupiter: Russland will mit Atomkraft durch das Sonnensystem

Zeus, von Roscomos auch als „Atomschlepper“ bezeichnet, soll in das russische Raumfahrzeug Nuklon integriert und dieses erst zum Mond, dann zum Mars und schließlich bis zum Jupiter befördern. Nuklon befindet sich noch in der Planung, nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde soll das Raumschiff 2024 fertiggestellt sein. Kostenpunkt: circa 50 Millionen Euro.

Wasserspeicher auf dem Mond gefunden
Wasserspeicher auf dem Mond gefunden

Auf der unbemannten, interplanetaren Mission soll zunächst jeweils ein Landfahrzeug auf dem Mond und dem Mars abgesetzt werden, ehe es per Atomantrieb weiter durch das All in Richtung Jupiter geht. Die optimale Flugbahn und Ballistik werde derzeit noch errechnet, erklärte Roscosmos-Direktor Alexander Bloshenko bei einer Präsentation in Moskau am vergangenen Wochenende.

Für Russland ist es die erste Mission zum Jupiter. Die Nasa hat seit 1973 bereits neun Raumsonden zu dem Gasplaneten entsandt. Die Jüngste ist Juno, sie erforscht den Planeten seit 2016. Anders als Nuklon generiert Juno seinen Strom durch Solarzellen. Auch interessant: „Perseverance“: Erstmals Sauerstoff auf dem Mars hergestellt

Auch die Nasa tüftelt an Miniatur-Atomwerken

Die Atom-Technologie ist in der Raumfahrt nicht gänzlich neu. So schickte etwa die Nasa bereits im Jahr 1965 einen Satelliten mit Atommodul in die Erdumlaufbahn. Das damalige Programm wurde allerdings wegen Sicherheitsbedenken eingestellt.

Die Forschungen wurden nach einer längeren Pause vor einigen Jahren wieder aufgenommen: Erst 2018 stellte die Nasa ihren Prototypen „Kilopower“ vor – ein „erschwingliches Kernkraftsystem“ für „längere Aufenthalte auf Planetenoberflächen“. Für Astronauten angeblich unbedenklich und daher auch für die bemannte Raumfahrt geeignet.

Die meisten Raumfahrzeuge erhalten ihre Antriebsenergie durch Sonnenlicht (Solarpanel) oder Batterien. Raumsonden und Rover werden mitunter mit Heizelementen ausgerüstet, die ihre Energie durch den Zerfall von kleinen Radioisotopen gewinnen, damit die Funktionalität auch in kalten und von der Sonne weiter entfernten Gegenden gewährleistet ist. Der Nachteil: Die Leistung ist weitaus begrenzter als bei einem Miniatur-Atomreaktor.

Russland bietet eine Sojus-Raumkapsel zum Verkauf an
Russland bietet eine Sojus-Raumkapsel zum Verkauf an

Ende der ISS absehbar – Russland baut an eigener Raumstation

Das Energiemodul Zeus hat laut der russischen Raumfahrtbehörde eine Laufzeit von zehn bis zwölf Jahren. Lang genug, um theoretisch auch auf einer eigenen Raumstation eingesetzt zu werden. Denn Russland plant, die 1998 gemeinsam mit den USA gegründete Internationale Raumstation (ISS) bis 2025 verlassen. Lesen Sie hier: Matthias Maurer: Der nächste deutsche Astronaut auf der ISS

Die in die Jahre gekommene ISS ließe inzwischen „viel zu wünschen übrig“, erklärte Ministerpräsident Juri Borissow im April im russischen Staatsfernsehen. Dazu passt, dass der russische Teil der Raumstation im vergangenen Jahr durch ein Leck zunehmend an die Sauerstoff verlor. Es wurde buchstäblich die Luft knapp. Der russische Ex-Astronaut Gennadi Padalka erklärte in einem Interview: „Alle Module des russischen Teils sind abgenutzt.“

Die Pläne für eine eigene Station im Orbit sind daher nicht überraschend. Roscosmos demonstrierte vergangene Woche bereits einen Entwurf – auch hier soll von zwei Zeus-Modulen erzeugte Atomkraft als Energiequelle dienen.

Die Nasa hält die ISS indes bis 2028 für betriebsfähig. Dann wäre die Raumstation 30 Jahre alt. Fachleute schätzen, dass sie spätestens in 15 Jahren kontrolliert zum Absturz gebracht werden dürfte. Gehen die Pläne der russischen Luftfahrtbehörde auf, wäre man dann schon längst nicht mehr an Bord – und die Atom-Mission zum Jupiter bereits beendet.

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