Konflikt

Nordkorea: Kim Jong Un stoppt nun geplante Militäraktion

Videografik: Der Korea-Konflikt

Mit einer Invasion nordkoreanischer Truppen in den Süden begann am Donnerstag vor 70 Jahren der Korea-Krieg. Bis heute befinden sich Nord- und Südkorea de facto im Kriegszustand.

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Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich zuletzt wieder hochgeschaukelt. Jetzt gibt es aber Zeichen der Entspannung.

Seoul/Pjöngjang. Erst Drohgebärden, nun Zeichen der Deeskalation: Nordkorea sendet an seinen Nachbarn Südkorea wieder ein Entspannungssignal aus. So berichteten nordkoreanische Staatsmedien, dass die Zentrale Militärkommission beschlossen habe, „die militärischen Aktionspläne gegen Südkorea“ auszusetzen.

Gründe für die Entscheidung, die bei einer Vorbesprechung der Militärkommission unter Vorsitz von Kim Jong Un getroffen worden sei, wurden nicht genannt. Bei der Sitzung seien auch Dokumente über „Maßnahmen zur weiteren Stärkung der Kriegsabschreckung“ erörtert worden, hieß es.

Spannung zwischen Nordkorea und Südkorea verschärfte sich

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich zuletzt wieder verschärft. Nordkorea reagierte verärgert auf eine Propagandaaktion südkoreanischer Aktivisten und nordkoreanischer Flüchtlinge, die Ende Mai etwa 500.000 in Ballons verpackte Flugblätter mit Kritik an der autokratischen Führung in Pjöngjang in Richtung Norden geschickt hatten. Pjöngjang warf der Regierung in Seoul vor, diese häufig an der Grenze unternommenen Aktionen zu tolerieren, und drohte mit Konsequenzen.

Mit der jetzigen Entscheidung scheint Nordkorea nach Ansicht von Beobachtern seinen scharfen Ton weiter abmildern und beiden Seiten vorerst mehr Zeit für eine Lösung geben zu wollen. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Militärs, Nordkorea scheine auch wieder Lautsprecher abzubauen, die das Land zuvor für mögliche Propagandasendungen an der Grenze neu installiert habe.

Nordkorea sprengt Verbindungsbüro
Nordkorea sprengt Verbindungsbüro

Rhetorik Südkoreas schon nach Zerstörung von Verbindungsbüro milder

Ohne ausdrücklich von einem Militärschlag zu sprechen, hatte Nordkorea zuletzt Vergeltungsmaßnahmen angekündigt. Nach der Unterbrechung der innerkoreanischen Kommunikationsleitungen und der Sprengung eines gemeinsamen Verbindungsbüros erklärte Nordkoreas Armeeführung in der vergangenen Woche, wieder Militärübungen nahe der Grenze aufnehmen und Soldaten in ehemals gemeinsam genutzte Industrie- und Tourismusgebiete zu verlegen zu wollen. Auch sollten Flugblattaktionen gegen Südkorea vom Militär unterstützt werden.

Kim Jong Un, der sich mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In bereits mehrmals getroffen hatte, überließ es dabei seiner einflussreichen Schwester, Kim Yo Jong, entsprechende Anweisungen zu erteilen. Ein Angebot Seouls zu klärenden Gesprächen schlug Pjöngjang aus. Lesen Sie mehr: Kim Yo-jong: Was plant die böse Schwester des Diktators?

Die Rhetorik gegen Südkorea sei bereits nach der Zerstörung des Verbindungsbüros etwas milder gestimmt gewesen, hatte die auf Nordkorea spezialisierte Nachrichtenseite „38 North“ am Donnerstag berichtet. „Es ist unklar, wie weit Nordkorea gehen wird, um einen Bruch mit Südkorea zu signalisieren, doch ließ es genügend Raum, um zu deeskalieren, falls und wenn es das für angebracht hält.“

Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Kim Jong Un im Februar 2019 in Vietnam stecken nicht nur die Verhandlungen über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm fest. Auch die innerkoreanischen Beziehungen kommen seitdem nicht voran. (dpa/fmg)