Kommentar

Kramp-Karrenbauer hat dem Druck nicht Stand gehalten

Annegret Kramp-Karrenbauer verzichtet auf die Kanzlerkandidatur und den Parteivorsitz der CDU.

Annegret Kramp-Karrenbauer verzichtet auf die Kanzlerkandidatur und den Parteivorsitz der CDU.

Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Annegret Kramp-Karrenbauer gibt den Vorsitz der CDU auf – zu Recht. Denn ihre Stellung in der Partei war zuletzt viel zu schwach.

Berlin.  Annegret Kramp-Karrenbauer wirft das Handtuch. Sie schmeißt hin. Die CDU-Chefin kündigte am Montagmorgen im Parteipräsidium an, den CDU-Vorsitz perspektivisch abzugeben und die Kanzlerkandidatur ihrer Partei nicht mehr anzustreben. Ein Paukenschlag. Und doch die richtige Entscheidung.

Das Thüringen-Debakel der CDU hat eines bewiesen: AKK hatte die CDU nicht im Griff. Sie versuchte, die unklare Lage der Partei in Thüringen nach der Wahl im Oktober auszusitzen. Es war ein Riesenfehler. Das Krisenmanagement der vergangenen Tage war lausig, die Partei ist ihr nicht mehr gefolgt.

Kanzlerin Angela Merkel, AKKs Vorgängerin im Amt der Parteivorsitzenden, riss das Heft des Handelns an sich. Sie ließ Kramp-Karrenbauer wie eine Schülerin aussehen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ließ die Frage nach ihrer Führungsstärke öffentlich unbeantwortet.

Annegret Kramp-Karrenbauer musste schon in Leipzig die Vertrauensfrage stellen

Die Partei war der 57-Jährigen schon beim Parteitag in Leipzig nur murrend gefolgt. Sie warf alles in die Waagschale, indem sie in Leipzig die Vertrauensfrage stellte. Doch die Flügel der Partei konnte sie nicht einen. Sie wurde dem konservativen Flügel der Partei bei allen Versuchen nicht gerecht, verprellte jedoch mit dieser Annäherung ihre liberalen Unterstützer. Machtworte sprach sie nicht.

Annegret Kramp-Karrenbauer im Porträt
Annegret Kramp-Karrenbauer im Porträt

Bei der Hamburger Klausur des Parteivorstands im Januar wurde deutlich, wie einsam es um Kramp-Karrenbauer und ihr Team geworden ist. Merkels Unterstützung hatte sie nicht mehr, die Ministerpräsidenten bildeten ein eigenes Team. Und um Friedrich Merz, obwohl einst im Kampf um den Parteivorsitz unterlegen und seitdem eher unglücklich agierend, scharren sich die Konservativen und der Wirtschaftsflügel.

Nun wird ein neuer CDU-Chef gesucht. Und ein Unions-Kanzlerkandidat. Beides gehöre in eine Hand, sagte AKK am Morgen im Präsidium. Und wenn es nun doch ein CSU-Kandidat wird? CSU-Chef Markus Söder jedenfalls wird sich jetzt so seine Gedanken machen.

Eines jedoch macht die Entscheidung der CDU-Chefin auch deutlich. Die deutsche Politik ist unbarmherzig geworden. Die Volks-Parteien verbrennen ihr Personal, auch durch ununterbrochene öffentliche Kritik, durch persönliche Angriffe. Wie die SPD mit Andrea Nahles umging, war unterirdisch. AKK wollte das in dieser Form nicht erleben. Und hat die Reißleine gezogen.

Das Thüringen-Debakel der CDU – mehr zum Thema:

Kramp-Karrenbauer hatte nach der Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten in Thüringen in der vergangenen Woche mit Abgeordneten des Landtages in Erfurt diskutiert und ein gemeinsames Vorgehen abgestimmt. Die Bundesspitze der CDU hatte sich zunächst für Neuwahlen ausgesprochen. Mit diesem Vorschlag konnte sich Kramp-Karrenbauer aber nicht durchsetzen: Die Thüringer CDU will neue Mehrheiten für die Wahl eines anderen Ministerpräsidenten ausloten. Und so stellt sich jetzt die Frage, ob in Thüringen bald wieder Bodo Ramelow (Die Linke) regiert.

Für viele Kritiker steht jedoch fest, dass Kramp-Karrenbauer die Grenzen ihrer Macht erfahren hat und der Autoritätsverfall von AKK die ganze CDU ins Wanken gebracht habe.