US-Präsident

Donald Trump rastet bei Pressetermin in Finnland aus

Trump: Biden und sein Sohn sind eiskalte Betrüger

Bei einer Pressekonferenz wies US-Präsident Donald Trump einen Journalisten zurecht, der ihn nach dem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj fragte.

Beschreibung anzeigen

Trump ist zu Gast bei seinem finnischen Amtskollegen Sauli Niinistö. Vor Journalisten geht es dann aber nicht um den Staatsbesuch.

Washington. Die Temperaturen auf dem Podium des Weißen Hauses, wo sich Donald Trump in Rage redete, müssen Sauna-Niveau erreicht haben. Vielleicht wirkte Sauli Niinistö auch darum die ganze Zeit über auffallend cool und souverän.

Finnlands bestens abgehärteter Präsident erlebte zum Ende seines Arbeitsbesuchs in Washington am Mittwoch einen der bisher denkwürdigsten Auftritte des amerikanischen Präsidenten: Die traditionelle Pressekonferenz zeigte einen Trump, dem die Nerven so blank liegen wie selten zuvor.

Das Amtsenthebungsverfahren, das die oppositionellen Demokraten gegen ihn anstrengen, ist Trump so unter die Haut gegangen, dass die gediegene Nachrichtenagentur Reuters ihren Text mit dem Einstiegssatz begann: „Präsident Donald Trump ist fuchsteufelswild”.

Trump herrscht Reporter an: „Haben Sie mich nicht verstanden?“

Wie sich das anfühlt, bekam vor allem Reuters-Korrespondent Jeff Mason zu spüren, ein Ausbund an Freundlichkeit, Seriösität und Kollegialität.

Mehrfach wiederholte der 43-Jährige, der lange in Frankfurt tätig war und fließend Deutsch spricht, die Frage, die seit Tagen auf der Hand liegt und einer mündlichen Erklärung Trumps bedarf: Was genau wollte der US-Präsident von seinem ukrainischen Amtskollegen Selenskyj, als er in einem Telefonat am 25. Juli indirekt um die Beschaffung kompromittierender Informationen über seinen potenziellen Herausforderer für 2020 bat, den Alt-Vize-Präsidenten Joe Biden?

Mason blieb ruhig und standhaft, als Trump ein ums andere Mal auswich, ihn wie einen Schuljungen kujonierte („Haben Sie mich nicht verstanden? Sie sollen dem finnischen Präsidenten jetzt eine Frage stellen!“), die Demokraten eines „Staatsstreichs” bezichtigte und Mason stellvertretend für viele in der Korrespondentenschar als „korrupt” abkanzelte.

Donald Trump: Woher die unkontrolliert wirkende Wut rührt

Woher rührt seine immer unkontrollierter wirkende Wut? Trump hat niemanden, der für ihn die Kartoffeln aus dem Feuer holt. Führende Republikaner mit Reputation gehen nicht ins Fernsehen, um ihn zu verteidigen. Denen, die es tun, glaubt man nicht mehr.

Wichtige Weggefährten wie Vize-Präsident Mike Pence oder Außenminister Mike Pompeo hängen selber tief drin in der Ukraine-Affäre.

Zu allem Überfluss haben sich die „Leaks”, Durchstechereien von Interna aus dem Weißen Haus an die führenden Zeitungen „New York Times” und „Washington Post”, zu einem Tsunami ausgewachsen. Tag für Tag wird Trump von den eigenen Leuten mit Misstrauensbeweisen konfrontiert.

Der zum Statisten degradierte finnische Präsident muss sich dessen bewusst gewesen sein, als er Trump zwei Sätze mit auf den Weg gab, die wie eine freundlich verpackte Mahnung klangen: „Sie haben hier eine großartige Demokratie. Machen Sie weiter damit!”