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"Hart aber fair": Heftiger Schlagabtausch bei Klima-Debatte

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

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Hamburgerin Luisa Neubauer, Ikone der Klima-Jugendbewegung, trifft "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt. Das hatte Zündstoff.

Berlin. Was passiert, wenn die deutsche Ikone der Fridays-for-Future-Bewegung auf die alten Garden aus Politik, Wirtschaft und Medien trifft? Genau das ließ sich am Montagabend bei „Hart aber fair“ beobachten. Es ging, na klar, um die Klimakrise: „Wie radikal müssen wir uns ändern?“, wollte Gastgeber Frank Plasberg wissen.

Diskutiert wurde die Frage von Luisa Neubauer, ebendieser Ikone, sowie Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und VW-Chef Herbert Diess. Außerdem mit dabei: der Moderator Markus Lanz und der Journalist Ulf Poschardt.

„Hart aber fair“ – das waren die Gäste:

• Svenja Schulze, Umweltministerin

• Luisa Neubauer, Geographie-Studentin und Klima-Aktivistin

• Herbert Diess, VW-Chef

• Markus Lanz, ZDF-Moderator

• Ulf Poschardt, „Welt“-Chefredakteur

Für beste Unterhaltungen sorgten in der Debatte Neubauer und Poschardt. Das war gut kalkuliert, schließlich handelt es sich um die idealen Kontrahenten. Hier die junge Kritikerin, Mitglied bei den Grünen, die von der Politik und den älteren Generationen endlich ein aktives Vorgehen gegen die Klimakrise fordert. Dort der Chefredakteur der „Welt“, der sich gegen vermeintlich übermoralisches Argumentieren wendet und die Freiheit des Einzelnen betont.

Poschardt: E-Autos haben keine Seele

So verlief dann auch die Debatte. Poschardt kritisierte, dass E-Autos keine Seele hätten. „Sorry, wir haben keine Zeit dafür, uns um die Seele zu kümmern“, erwiderte da Neubauer. Während die Menschheit in eine Klimakrise rase, würden „alte weiße Männer“ solche Überlegungen anstellen.

Das ließ Poschardt nicht auf sich sitzen. „Aber das entscheiden nicht Sie, wir sind ja nicht in einer Diktatur“, warf der Journalist Neubauer zu. Zugleich kritisierte er den „Lehrerton“, mit dem die jungen Demonstranten auftreten würden - und die scharfe Kritik, mit der die Politik überschüttet werde.

Neubauer wiederum warf Poschardt vor, in der Debatte bewusst zu polarisieren. Das sei destruktiv. Den strengen Ton gegenüber der Politik rechtfertigte sie mit der Dringlichkeit des Themas: Es gehe um nichts weniger als darum, einen bewohnbaren Planeten hinterlassen zu bekommen. „Es ist nicht zu viel verlangt, dass sich die Politik an ihre eigenen Zielen halten soll.“

Zumindest beim Elektroverkehr sehen viele noch deutlich Luft nach oben. Nur acht Mitarbeiter sind für Elektro-Mobilität im Bundesministerium zuständig.

„Hart aber fair“-Moderator lässt VW-Chef Diess gut wegkommen

Erstaunlich war abseits davon, wie gut der ansonsten solide moderierende Plasberg VW-Chef Diess wegkommen ließ. Immerhin war der Konzern mit manipulierten Abgaswerten eben noch der Buhmann der Nation. In der Runde aber wurde Diess von allen Seiten dafür gefeiert, dass VW aufs E-Auto setzt. Dass ein bisher unbewegliches Fossil endlich losgeht, um sein unrettbares Geschäftsmodell umzustellen, ist solche Blumen wert – so weit ist es also gekommen. Bei Maybrit Illner hatte VW-Chef Dies sich noch darüber beklagt, dass es in der Diesel-Debatte zu große Emotionen gebe.

Zwischen allerlei Lob für die eigene Strategie hatte Diess immerhin eine klare Haltung zum jungen Protest gegen die Klimakrise. Dieser habe jede Autorität, die Älteren zu kritisieren, befand der VW-Chef. „Wir kommen vielleicht noch gut weg, aber deren Welt könnte anders aussehen.“

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Das richtige Argument

Einen ähnlichen Standpunkt vertrat Markus Lanz. Zugleich arbeitete der ZDF-Moderator gut heraus, wie schäbig sich die Politik verhält. „Es ist schwer zu ertragen, wie sich die Politik an die jungen Leute ranschmeißt“, kritisierte er an Umweltministerin Schulze gewandt. Schließlich habe diese jahrelang nicht ausreichend reagiert. Nun aber werde versucht, den Protest wegzukuscheln.

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Vor allem Kanzlerin Angela Merkel steht im Feuer seiner Kritik: Sie habe beteuert, die Klimaziele bis 2020 zu erreichen – doch daraus wurde nichts: „Dann sagt sie, wir haben uns leider geirrt, es war 2030 gemeint.“

Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Energie-Agentur eine Reform gefordert. Ihre Bilanz in Sachen Klimapolitik: Zu langsam, zu engstirnig: Scheitert die Energiewende?

Das Fazit von „Hart aber fair“

Poschardt gegen Neubauer, damit hätte sich die Sendezeit alleine füllen lassen können. Bei aller guten Unterhaltung durch den Schlagabtausch wurde allerdings auch deutlich, wie ernst das Thema ist. Und wie schwierig es sein wird, sich auf einen gemeinsamen Nenner im Kampf gegen die Klimakrise zu einigen.

Zwischendurch schien dabei auch mal durch, dass das gesamte Hickhack um Veganer (Neubauer), Porschefahren (Poschardt) und Co. vielleicht vom eigentlichen Thema ablenkt. „Wir müssen an die großen Hebel ran: Kohle, Kohle, Kohle“, nannte Diess ein Beispiel. Recht hatte er, der neue Saubermann der Nation.

„Hart aber fair“ in der Wiederholung anschauen?

Sie haben die Sendung von „Hart aber fair“ verpasst? Hier können Sie die Sendung in der ARD-Mediathek anschauen.

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