Ex-AfD-Chef

AfD-Gründer Lucke: Petry zu trauen, war mein größter Fehler

Bernd Lucke und Frauke Petry beim AfD-Parteitag 2015 in der Essener Grugahalle.

Bernd Lucke und Frauke Petry beim AfD-Parteitag 2015 in der Essener Grugahalle.

Foto: imago stock&people / imago/Christian Thiel

Parteigründer Bernd Lucke bereut die Zusammenarbeit mit Frauke Petry und spricht sich für die Beobachtung der AfD aus.

Berlin.  Könnte Bernd Lucke die Zeit zurückdrehen, würde er nicht noch einmal mit Frauke Petry zusammenarbeiten – und die AfD nicht noch einmal gründen.

„Mein größter Fehler war, dass ich Frauke Petry vertraut habe“, sagte der AfD-Gründer in einem Interview mit den Hamburg-Seiten der „Zeit“. „Ich kannte sie ja kaum, aber sie war engagiert, intelligent und präsentabel. Deshalb habe ich sie gefördert.“

Bernd Lucke: Die AfD wähle ich nicht

Petry wurde 2013 an Luckes Seite Co-Vorsitzende der AfD. Aus einem Richtungs- und Machtkampf der beiden ging Petry 2015 mit Hilfe der Parteirechten als Siegerin hervor. Wie Lucke ist aber auch Petry inzwischen aus der AfD ausgetreten.

Diese sei inzwischen „eine ganz andere Partei“ geworden, so Lucke weiter: „Eine, die ich nicht gegründet hätte, die ich nicht fördern möchte und die ich nicht wähle.

Lucke: Verfassungsschutz sollte AfD beobachten

Die AfD ist in den Augen ihres Gründers inzwischen ein Fall für den Verfassungsschutz. „Es gibt Personen und Organisationen in der AfD, an deren Verfassungstreue man zweifeln kann“, so Lucke weiter. Ginge es nach ihm, würde er Vorsicht walten lassen. „Der Verfassungsschutz sollte Teile der AfD lieber beobachten, als dass die vielleicht Unheil stiften.“

Die AfD sei für ihn heute „eine latent fremdenfeindliche, deutschnationale Partei mit rechtsradikalen Einsprengseln“, sagte der 56-jährige Volkswirtschaftsprofessor. Dass es möglich gewesen sei, Rechtsradikale aus der AfD herauszuhalten, bezweifelt er allerdings.

Neue Mitglieder pauschal abzulehnen, verbiete das Parteiengesetz und kein Interessent sage „gleich beim Aufnahmegespräch, dass er den Holocaust für einen Vogelschiss hält“, so

Lucke.

Er spielte damit auf eine Aussage des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland an, der die NS-Zeit im Juni 2018 einen „Vogelschiss“ der Geschichte genannt hatte.

Lucke und Petry wollten in Hungerstreik treten

Im „Zeit“-Interview (Bezahlinhalt) berichtete Lucke außerdem von einem kuriosen Vorhaben: „2013 haben Frauke Petry und ich überlegt, ob wir in einen Hungerstreik treten, um bei der Regierung Merkel die Einsicht in Akten zur Euro-Rettung zu erzwingen. Wir beide haben den Plan mit unseren Familien besprochen – Frauke Petry wollte dann doch nicht hungern.“

Aktuell hat die frühere AfD-Politikerin andere Probleme. Wegen Meineidsverdachts beginnt am 18. Februar ein Prozess gegen Petry. Politisch hofft Petry auf einen Neustart mit der Blauen Partei. Einen Erfolg hat sie dabei bereits erzielt: Die AfD wollte ihr die Nutzung der Farbe „blau“ verbieten, doch ein Gericht entschied nun zu Petrys Gunsten. (cho)