Seerettung

Spanien nimmt Flüchtlinge von Rettungsboot „Aquarius“ auf

Das Rettungsschiff „Aquarius“ hat aktuell mehrere Hundert Flüchtlinge an Bord (Archivfoto).

Das Rettungsschiff „Aquarius“ hat aktuell mehrere Hundert Flüchtlinge an Bord (Archivfoto).

Foto: Tony Gentile / REUTERS

Das Flüchtlingsschiff „Aquarius“ war seit Sonntag auf dem Mittelmeer unterwegs. Nun soll das Rettungsschiff in Valencia einlaufen.

Rom.  Weil Italien und Malta die Aufnahme von geretteten Flüchtlingen aus dem Mittelmeer ablehnen, saß das Rettungsschiff „Aquarius“ auf See fest. Wie internationale Medien berichten, nimmt nun Spanien die Flüchtlinge auf. Wie die Zeitung „El País“ schreibt, habe sich Spanien aus „humanitären Gründen“ zu dem Schritt entschlossen. Die Zeitung beruft sich auf den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez. Die „Aquarius“ solle demnach in den Hafen von Valencia einlaufen.

Beobachter hatten die Ablehnung des Schiffes von Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée durch Italien als Machtdemonstration gesehen. Allen voran der fremdenfeindliche Innenminister Matteo Salvini sollte beweisen, dass Italien in der Migrationskrise künftig harte Hand zeigen wird. Italien fühlt sich von seinen europäischen Partnern seit langem mit der Bewältigung der Flüchtlingskrise allein gelassen.

Derzeit kommen zwar deutlich weniger Migranten in Italien an, der neuen Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega sind es aber immer noch zu viele.

Nachdem am Wochenende laut der Internationalen Organisation für Migration insgesamt rund 1420 Migranten im Meer gerettet worden waren, nahm die Regierung in Rom Malta am Sonntag in die Pflicht: Der Inselstaat müsse die „Aquarius“ mit 629 geretteten Migranten in den Hafen von Valletta einlaufen lassen.

Malta zeigt sich unbeeindruckt

„Die Insel kann nicht weiter wegschauen, wenn es darum geht, internationale Übereinkommen zum Schutz von Menschenleben und Zusammenarbeit zwischen den Staaten einzuhalten“, teilten das Innen- und Transportministerium mit.

Doch Malta lenkte zunächst nicht ein – und ließ wissen, dass man der „Aquarius“ keinen Hafen zuweisen werde. Dies zeige zum wiederholten Mal den Unwillen von Malta „und damit auch von Europa, einzuschreiten und sich des Notstands anzunehmen“, schrieb der italienische Regierungschef Giuseppe Conte auf Facebook.

Kurz fordert Ende des Streits über Flüchtlings-Verteilung in Europa
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Angela Merkel erinnert Beteiligte an ihre Verantwortung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich am Montagmittag besorgt angesichts der Berichte über die „Aquarius“. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag in Berlin, die Kanzlerin rufe alle Beteiligten auf, „ihrer humanitären Verantwortung gerecht zu werden“. Deutschland sei schon lange der Auffassung, dass besonders durch die Migrationskrise belastete EU-Staaten wie Italien „nicht alleine gelassen werden dürfen“, fügte Seibert hinzu.

Seit langem kommen nur noch wenige im Mittelmeer gerettete Migranten auf Malta an. Waren es laut UNHCR 2013 noch rund 2000 Menschen, ging die Zahl in den Folgejahren rapide nach unten. 2017 erreichte sie mit 23 Menschen einen Tiefstand. Im gleichen Zeitraum landeten an Italiens Küsten unter Anweisung der zentralen Seenotrettungsleitstelle in Rom 119 310 Menschen an - und das, obwohl Malta näher an der Such- und Rettungszone vor Libyen liegt als Sizilien.

2016 flammten Spekulationen über einen „Geheimdeal“ zwischen Rom und Valletta auf, wonach Italien vor Malta nach Öl bohren dürfe und im Gegenzug Migranten ins eigene Land bringe. Offiziell wurde nie erklärt, warum mittlerweile so gut wie keine Geretteten mehr nach Malta gebracht werden. Allerdings ist die Insel weniger als halb so groß wie Berlin. Hilfsorganisationen fürchten, dass Aufnahmezentren nicht ausreichend ausgestattet sind für eine Ankunftswelle. (dpa/ac)