Korea-Konflikt

Nordkoreas Kim könnte seine Atomraketen verschrotten

Kim Jong Un - Dieser Diktator beherrscht Nordkorea

Kim Jong Un ist der "Oberste Führer" Nordkoreas. Er übernahm die Macht von seinem Vater, was der auch schon getan hatte. Seit 1948 beherrscht die Kim-Dynastie den kommunistischen Staat.

Kim Jong Un - Dieser Diktator beherrscht Nordkorea

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Süd- und Nordkorea wollen den Kriegszustand beenden. Sie streben „vollständige nukleare Abrüstung“ an. Das sorgt für Freude weltweit.

Panmunjom.  Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat seinen Willen zu einem kompletten Abbau seines Atomprogramms bekräftigt. Das geht aus der gemeinsamen Erklärung hervor, die Kim und Südkoreas Präsident Moon Jae In am Freitag bei ihrem ersten Gipfel am Grenzort Panmunjom unterschrieben. Beide umarmten sich nach der Unterzeichnung.

Moon sprach von einer „neuen Ära des Friedens“. Süd- und Nordkorea bestätigten in der Erklärung, ihr gemeinsames Ziel sei die Schaffung einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel durch „die vollständige Denuklearisierung“. Beide Länder wollen alle Feindseligkeiten, die Quelle militärischer Spannungen zu Lande, zu Wasser und in der Luft seien, gegen die andere Seite einstellen.

Südkoreas Präsident will zu Besuch nach Pjöngjang reisen

Vom 1. Mai an sollen alle feindseligen Handlungen, einschließlich der Lautsprecherdurchsagen an der Grenze und der Verbreitung von Flugblättern in der Demilitarisierten Zone (DMZ) eingestellt werden. „Die DMZ wird in Zukunft praktisch zu einer Friedenszone werden.“

Süd- und Nordkorea wollten aktiv zusammenarbeiten, um ein dauerhaftes Friedenssystem aufzubauen, heißt es in der Erklärung weiter. Die Einrichtung eines Friedenssystems sei eine historische Aufgabe, die nicht mehr aufgeschoben werden könne. „Wir erklären, dass kein Krieg mehr auf der koreanischen Halbinsel ausbrechen werde.“ Beide Seiten einigten sich auch auf die Wiederaufnahme gemeinsamer humanitärer Projekte wie die Treffen von durch den Krieg auseinandergerissenen Familien.

Die beiden Länder wollen multilaterale Gespräche über ein formelle Beendigung des Koreakrieges (1950-53) aufnehmen. Kim und Moon vereinbarten, dass sie Gespräche entweder zu dritt mit den USA oder zu viert unter Einschluss Chinas aufnehmen wollten. Moon Jae In will noch im Herbst dieses Jahres nach Nordkorea reisen. Er nahm eine Einladung von Machthaber Kim an.

Südkoreas Präsident Moon betrat auch nordkoreanischen Boden

Als erster nordkoreanischer Staatschef seit dem Ende des Korea-Krieges (1950-53) hatte Kim zuvor die Grenze überquert und südkoreanischen Boden betreten. Der Machthaber wurde direkt an der Demarkationslinie in der gemeinsamen Sicherheitszone von Moon Jae In empfangen. Beide Staatschefs begrüßten sich herzlich mit Handschlag und stellten sich den Fotografen.

Spontan forderte Kim den südkoreanischen Präsidenten auf, seinerseits die Betonschwelle im Boden, die die Linie kennzeichnet, auch nach Norden zu überqueren. Moon betrat damit erstmals nordkoreanischen Boden, was vorher nicht erwartet worden war. Zwischen den blauen Baracken, die beide Seiten nach dem Krieg für Besprechungen nutzten, markiert die betonierte Schwelle zwischen dem Sandfeld im Norden und dem Kiesbett im Süden die Demarkationslinie.

Erster innerkoreanischer Gipfel seit Eskalation der Spannungen

Im Mittelpunkt des mit Spannung und großen Hoffnungen erwarteten Gipfels standen der Streit um Nordkoreas Atomwaffen- und Raketenprogramm und eine langfristige Friedenslösung für die koreanische Halbinsel. „Mit dem Moment, in dem der Vorsitzende Kim die militärische Demarkationslinie überschritten hat, wurde Panmunjom zu einem Symbol des Friedens, nicht der Teilung“, hatte Moon in einer Rede zu Beginn ihrer Gespräche gesagt, die live im Fernsehen übertragen wurde.

Kim und Moon tanzen den Grenz-Foxtrott

Erst nach Süden, dann nach Norden, und dann doch wieder zurück: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und sein südkoreanischer Kollege Moon Jae In tänzeln über die Grenze zwischen beiden Ländern,...
Kim und Moon tanzen den Grenz-Foxtrott

Die erste Begegnung zwischen Kim und Moon ist nach 2000 und 2007 in Pjöngjang der dritte innerkoreanische Gipfel, aber der erste seit der Eskalation der Spannungen über die Atom- und Raketentests im vergangenen Jahr. Er wird auch das geplante Treffen zwischen Nordkoreas Machthaber und US-Präsident Donald Trump Ende Mai oder Anfang Juni vorbereiten. Ort und Termin sind noch nicht bekannt.

USA setzen große Erwartungen in den Korea-Gipfel

Die USA setzen auch große Erwartungen in den Korea-Gipfel. „Wir sind hoffnungsvoll, dass die Gespräche Fortschritt in Richtung einer Zukunft von Frieden und Wohlstand für die gesamte koreanische Halbinsel erzielen“, teilte das Weiße Haus mit. Die USA schätzten die enge Zusammenarbeit mit ihrem engen Verbündeten Südkorea und erwarteten, robuste Diskussionen in Vorbereitung auf das Treffen von Trump mit Kim in den kommenden Wochen fortzusetzen.

Moon hatte den Machthaber sogar mit militärischen Ehren empfangen. Beide marschierten an einer Ehrengarde von 300 Soldaten aller drei Waffengattungen der südkoreanischen Streitkräfte vorbei. Danach trug sich Kim ins Gästebuch des südkoreanischen „Friedenshauses“ in Panmunjom ein, wo das eintägige Treffen stattfand.

USA und Südkorea fordern Bekenntnis Kims zur Denuklearisierung

Die USA und Südkorea hatten zuvor ein klares Bekenntnis Kims zur Denuklearisierung gefordert, womit sie eine baldige, überprüfbare und nicht umkehrbare Beseitigung der Atomwaffen meinen.

Nordkoreas Machthaber hatte aber erst am vergangenen Freitag, als er überraschend die Einstellung seiner Atom- und Raketentests verkündet hatte, die Vollendung des Atomprogramms als „großen Sieg“ gefeiert. Er sprach nur allgemein davon, dass Nordkorea mit diesem Teststopp zur „weltweiten Abrüstung“ beitrage. Experten sehen seinen Willen zur Beseitigung seiner Atomwaffen jedoch eher im Rahmen der globalen Abrüstungsbemühungen aller Nuklearmächte.

Kim Jong Un wurde begleitet vom protokollarischen Staatsoberhaupt Kim Yong Nam und seiner Schwester Kim Yo Jong, die praktisch als seine Stabschefin fungiert. Beide hatten schon an den Winterspielen teilgenommen. Die enge Vertraute Kims nahm auch an dem Anfangsgespräch mit Moon in kleiner Runde teil. Ob auch Kims Frau Ri Sol Ju eventuell später noch zum Gipfeltreffen dazustößt, war unklar. „Es ist nicht bekannt“, sagte Südkoreas Präsidentensprecher.

Erfreute Reaktion weltweit

Weltweit gab es positive Reaktionen auf die Annäherung. Die Bundesregierung äußerte sich erfeut: „Grundsätzlich sind wir froh darüber, dass Nordkorea endlich die ausgestreckte Hand Südkoresas angenommen hat“, sagt ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Man hoffe, dass Nordkorea nun mit der gleichen Ernsthaftigkeit wie Südkorea in den Dialog eintrete.

Der exklusive Club der Atommächte

Der Streit zwischen den USA und Nordkorea über dessen Atomprogramm droht immer wieder zu eskalieren. Seit 2006 gehört das Land zum exklusiven Club der Atommächte. Nur acht andere Länder auf der Welt verfügen über Nuklearwaffen.
Der exklusive Club der Atommächte

Auch das chinesische Außenministerium begrüßt die gemeinsame Erklärung. Man habe die Hoffnung, dass beide Seiten einen politischen Prozess zur Lösung der Probleme auf der Halbinsel vorantreiben können. China sei bereit, bei diesem Punkt weiter eine proaktive Rolle zu spielen.

Das russische Präsidialamt erklärt, der Gipfel sei „eine sehr positive Entwicklung“. Russland würde alle weiteren Schritte begrüßen, um die Spannungen zu verringern, wie ein Treffen von US-Präsident Donald Trump mit Kim. Ebenfalls Japans Ministerpräsident Shinzo Abe begrüßt das Gipfelergebnis. Er erwarte von Nordkorea, nun konkrete Schritte zu gehen. (dpa/rtr)