Moskau/Berlin

Moskau weist vier deutsche Diplomaten aus

Moskau/Berlin. Russland weist im Streit mit dem Westen wegen des ­vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal auch vier Angehörige der deutschen Botschaft aus. Das teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Freitag mit. Der ­deutsche Botschafter Rüdiger von Fritsch wurde einbestellt und nahm Moskaus tagelang erwartete Antwort auf die Ausweisung von vier russischen Diplomaten entgegen. Auch 22 weitere europäische Botschafter wurden einbestellt und die Ausweisungen ihrer Diplomaten verkündet.

Bereits am Donnerstagabend hatte Russland die Ausweisung von 60 US-Diplomaten sowie die Schließung des US-Generalkonsulats in St. Petersburg angekündigt. Damit reagiert Moskau auf die Entscheidung von rund 25 Staaten sowie der Nato, mehr als 140 russische Diplomaten des Landes zu verweisen. Auch Deutschland hatte vier Russen zu unerwünschten Personen erklärt.

Die Nachricht aus Moskau sei nicht überraschend gekommen, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas. „Wir hatten die Entscheidung zur Ausweisung der russischen Diplomaten nicht leichtfertig getroffen. Unsere Reaktion im Fall Skripal war als politisches Signal notwendig und angemessen.“ Dennoch betonte er: „Auch in der aktuellen Lage bleiben wir zu einem Dialog mit Russland bereit und werden für die europäische Sicherheit und eine kons­truktive Zukunft der Beziehungen zwischen unseren Ländern arbeiten.“

Der Schlagabtausch ist Teil des Konflikts um den vergifteten Ex-Doppelagenten Skripal und dessen Tochter Julia in Großbritannien. Die beiden waren am 4. März in der Kleinstadt Salisbury bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. Großbritannien macht Russland dafür verantwortlich, weil angeblich der zu Sowjetzeiten entwickelte chemische Kampfstoff Nowitschok eingesetzt wurde. Moskau weist diese Anschuldigungen zurück.

Skripals Tochter geht es nach Klinikangaben inzwischen deutlich besser. Die 33-Jährige könne sogar wieder essen und trinken, berichtete der Fernsehsender Sky News. Sie lebt in Moskau und hatte ihren Vater besucht. Er ist in einem kritischen, aber stabilen Zustand.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Vater und Tochter wohl an ihrer eigenen Haustür in Salisbury mit dem Gift in Kontakt kamen. Es soll nach einem Bericht des britischen Senders BBC an der Türklinke aufgebracht worden sein. Einige Nachbarn, Postboten und die ersten Ermittler am Tatort stehen vorsichtshalber unter Beobachtung, da auch sie mit dem Nervengift in Kontakt gekommen sein könnten, wie die Zeitung „The Telegraph“ berichtete. Ein Spielplatz in der Nähe des Hauses wurde abgesperrt.

Der Streit zwischen Moskau und dem Westen schaukelt sich seit Tagen hoch. Politiker im Westen wie in Russland warnen vor einer Dynamik wie im Kalten Krieg. Seit dem Aufflammen des Streits haben Großbritannien und Russland bereits gegenseitig 23 Diplomaten ausgewiesen. Moskau untersagte auch die Arbeit des britischen Kulturinstituts British Council. Zwischen beiden Ländern ist es schon in den vergangenen Jahrzehnten zu großen Spionagefällen mit der Ausweisung Dutzender Vertreter gekommen.

Mit Deutschland gab es zuletzt 2014 einen diplomatischen Konflikt, als eine ranghohe Mitarbeiterin der Botschaft in Moskau Russland verlassen musste. Kurz zuvor war ein Attaché am russischen Generalkonsulat in Bonn als Agent des Militärgeheimdienstes GRU enttarnt worden.

Die Regierung in Moskau weist die Vorwürfe aus London zurück und kritisiert, dass Großbritannien bisher Beweise für seine Anschuldigungen schuldig geblieben sei.