Rom/München

Aufruf zum friedlichen Zusammenleben

Rom/München. Papst Franziskus hat beim Kreuzweg am Kolosseum in Rom am Karfreitag an Gewalt und Kriege auch in der heutigen Welt erinnert. Vor rund 20.000 Menschen verlas der Pontifex ein Gebet, in dem er von der Scham sprach, den jungen Menschen eine „zertrümmerte Welt der Spaltung und der Kriege“ zu hinterlassen, in der der Egoismus „die Jugendlichen, die Kleinen, die Kranken, die Alten“ an den Rand dränge.

Die Prozession ist der Höhepunkt der Karfreitagsfeierlichkeiten und erinnert an das Leid Jesus Christus bei der Kreuzigung. Begleitet wurde sie aus Angst vor Anschlägen von erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.

In der Karfreitagsliturgie im Petersdom stand dieses Jahr die Jugend im Mittelpunkt. Der Prediger des päpstlichen Hauses rief junge Menschen im Petersdom dazu auf, sich unter Leidende und Ausgeschlossene zu mischen. So könne man sich von dem Prinzip lösen, das die Welt regiere, nämlich „der pure Egoismus“, sagte Raniero Cantalamessa, der traditionell die Predigt am Karfreitag spricht. Jugendliche waren in diesem Jahr unter den Kreuzträgern, genauso wie eine Familie aus Syrien und Nonnen aus dem Irak, die vor Gewalt der Terrormiliz Islamischer Staat fliehen mussten.

Nach dem christlichen Glauben wurde Jesus in der Nacht auf den Karfreitag verhaftet, gefoltert und zum Tod verurteilt. Am dritten Tag nach seinem Tod, also am Ostersonntag, ist Jesus nach christlicher Überlieferung auferstanden. Ostern ist damit das zentrale Fest des Christentums.

Auch die Spitzenvertreter der Kirchen in Deutschland haben an Karfreitag zum friedlichen Zusammenleben aufgerufen. Christen könnten sich nie mit Hass in der Welt abfinden, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in der Münchner St.-Matthäus-Kirche. Er richtete den Blick auf Menschen, die wegen ihrer Religion oder ihres Engagements verfolgt werden. „Hass und Gewalt sind nichts Normales“, betonte er. Kardinal Reinhard Marx appellierte an die Christen in Deutschland, auf Muslime und Nichtgläubige zuzugehen. In seiner Predigt rief Marx zu Versöhnung und Freundschaft zwischen den Völkern, Kulturen und Religionen auf.