Bedürftige

Bundes-Chef der Tafeln weist Angela Merkels Kritik zurück

Die Eingangstür der Essener Tafel wurde mit dem Wort "Nazis" beschmiert.

Die Eingangstür der Essener Tafel wurde mit dem Wort "Nazis" beschmiert.

Foto: Ina Fassbender / dpa

Der Chef des Tafel-Verbandes Brühl verteidigt den Aufnahmestopp für Ausländer. Die Zuspitzung der Situation sei eine Folge der Politik.

Osnabrück.  In der Diskussion um den Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel hat sich der Vorsitzende des Bundesverbandes der Tafeln, Jochen Brühl, gegen die Kritik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verwahrt.

Brühl forderte Merkel auf, sich vor die Tafeln, ihre Arbeit und die ehrenamtlichen Helfer zu stellen. „Wir lassen uns nicht von der Kanzlerin rügen, denn die aktuelle Entwicklung ist eine Konsequenz ihrer Politik“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Brühl sagte, dass Kritiker sich kein Bild von den Umständen vor Ort gemacht hätten. „Kümmert euch um die, die abgehängt sind“, forderte er. Politiker müssten sich fragen, welchen Anteil sie an den wachsenden Problemen hätten.

Es gebe einen „unfassbaren Niedriglohnsektor“, eine unzureichende Grundsicherung und unausgegorene Zuwanderungspolitik: „Die politischen Rahmenbedingungen müssen verbessert werden, das ist nicht die Aufgabe der Tafel. Das ist Aufgabe des Staates.“

Neue Tafel-Kunden nur noch mit deutschem Pass

Die Essener Tafel hatte angekündigt, bis auf weiteres nur noch Bedürftige mit deutschem Pass als neue Kunden aufzunehmen. Zur Begründung erklärte der Vorstand, der Anteil der Migranten unter den 6000 Menschen, die regelmäßig Lebensmittel erhielten, sei auf 75 Prozent gestiegen. Ältere Menschen und Alleinerziehender würden auf diese Weise schleichend verdrängt. Die Tafel will den Aufnahmestopp wieder aufheben, wenn das Verhältnis ausgeglichener ist.

Kritik an Entscheidung von Essener Tafel

Die Ankündigung hatte Ende vergangener Woche empörte Reaktionen ausgelöst. Unter anderem sagte Kanzlerin Angela Merkel in einem Fernseh-Interview: „Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen. Das ist nicht gut.“ Aber die Entscheidung der Ehrenamtlichen in Essen zeige auch „den Druck, den es gibt“, und wie viele Bedürftige auf Lebensmittelspenden angewiesen seien.

Die rund 930 Tafeln in Deutschland sammeln überschüssige Lebensmittel, die nach den gesetzlichen Bestimmungen noch verwertbar sind, und geben diese an Bedürftige ab. Sie haben sich im Bundesverband Tafel Deutschland auf bestimmte Grundsätze und ein Leitbild verpflichtet. (epd)