Polit-Talk

AfD-Vize Gauland: Nazi-Zeit kommt in den Schulen zu kurz

Diskutierten in der „Schlussrunde“ bei ARD und ZDF: Alexander Gauland (AfD), Joachim Herrmann (CSU) und Christian Lindner (FDP-Vorsitzender), Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Moderatorinnen Tina Hassel und Bettina Schausten, Manuela Schwesig (SPD), Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) und Sahra Wagenknecht (Linke, v.l.n.r.).

Diskutierten in der „Schlussrunde“ bei ARD und ZDF: Alexander Gauland (AfD), Joachim Herrmann (CSU) und Christian Lindner (FDP-Vorsitzender), Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Moderatorinnen Tina Hassel und Bettina Schausten, Manuela Schwesig (SPD), Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) und Sahra Wagenknecht (Linke, v.l.n.r.).

Foto: Schnitger / dpa

In der „Schlussrunde“ zur Wahl ging es bei ARD und ZDF wild durcheinander. Und ein AfD-Politiker warb für mehr Geschichtsunterricht.

Berlin.  Und noch ‘ne Runde: Gleich sechs Spitzenpolitiker hatten ARD und ZDF am späten Donnerstagabend zu 90 Minuten Polit-Talk eingeladen. Es ging um alles Mögliche und Unmögliche – von Pflege und Schulen bis Rente und Digitalisierung.

Und die meiste Zeit ging es wild durcheinander, sodass die Moderatorinnen Bettina Schausten und Tina Hassel bisweilen den Überblick verloren. Motto: Nur den anderen nicht ausreden lassen.

Debatte drehte sich fast nur um die AfD

Doch im Grunde drehte sich die Debatte – mal wieder – immer um eines: die AfD. Die war vertreten durch Partei-Vize Alexander Gauland. Der beherrscht wie kein Zweiter in den Reihen der Rechtspopulisten die Rolle des Wolfs im Schafspelz. So auch in dieser Runde:

Brüll- und Schimpfattacken von AfD-Anhängern bei Auftritten von Kanzlerin Merkel? Man solle „nicht so empfindlich“ sein. „Ich werde bei öffentlichen Kundgebungen auch niedergeschrien.“

Interview Alexander Gauland: Die kontroversesten Zitate des AfD-Spitzenkandidaten
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Nazi-Parolen und Nazi-Thesen in der AfD? „Unsinn. Im Schulunterricht kommt die Nazi-Zeit offenbar zu kurz, sondern würden die Leute uns nicht als Nazis verunglimpfen. Ich bin sehr dafür, dass man über den Nationalsozialismus und seine Taten aufklärt.“

So scharf gingen die anderen Gauland an

Die anderen in der Runde gingen Gauland gleichwohl scharf an.

SPD-Partei-Vize Manuela Schwesig: „Sie schüren Hass und Hetze. Sie spalten unser Land.“

CDU-Partei-Vize Ursula von der Leyen: „Sie können nicht in großen Konzepten denken. Sie sind nicht fähig, mit anderen Nationen Konzepte der Zukunft zu denken.“

Linke-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht: „Es gibt ganz klar rechtsextreme Positionen in der AfD. Und jetzt sitzen Sie hier ganz gemütlich. Das ist eine perfide Methode.“

AfD-Kritik hat nicht gefruchtet

Ähnlich sah das auch Katrin Göring-Eckardt, die Spitzenkandidatin der Grünen. Nur CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann hielt sich zurück. Die Moderatorinnen konfrontierten Gauland mit seiner Wahlkampfrede, in der er vorschlug die Staatsministerin und SPD-Politikerin Aydan Özoguz „in Anatolien zu entsorgen“ und mit dem Spruch seines Parteifreundes Björn Höcke, der das Holocaustmahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnet hatte.

All das ist weitgehend richtig und all das hat man in den vergangenen Wahlkampfmonaten schon gefühlt hundertfach gehört. Dumm nur: Gefruchtet hat die AfD-Kritik nicht, die Umfragen sagen den Rechtspopulisten gute Chancen voraus, bei der Bundestagswahl am kommenden Sonntag ein zweistelliges Ergebnis einzufahren. Ist also die Taktik falsch?

FDP-Chef Christian Lindner sah das so. Es sei „unangemessen, dass hier jede AfD-Äußerung diskutiert wird“, meinte der Chef-Liberale und fragte: „Was nützt es denn, wenn wir fortwährend die AfD mit ihren unsäglichen Äußerungen konfrontieren?“ Es gehe vielmehr um die Sachthemen, „da muss man sie stellen“.

Kein Zugewinn an Information drei Tage vor der Wahl

Etwa bei der Rente, ein blinder Fleck im Programm der AfD. Gauland musste einräumen: „Ich gebe zu, dass wir kein ausgearbeitetes Rentenkonzept haben.“ Die AfD sei noch „eine sehr junge Partei“. Oder beim Thema Umwelt. Der Klimawandel, so Gauland, sei nur zu einem ganz geringen Teil von Menschen verschuldet. Das könne man vernachlässigen.

Warum die AfD nichts gegen die größte Angst der Deutschen tun will
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Fazit: Die „Schlussrunde“ drei Tage vor der Wahl brachte keinen Zugewinn an Information, abgesehen von der traurigen Erkenntnis: Außer berechtigter Empörung haben die etablierten Parteien der AfD immer noch nicht viel entgegenzusetzen. Die schmerzliche Quittung dafür könnte am Wahlabend fällig sein.