Anti-Diskriminierung

Wenn die Bremer Polizei im Streifenwagen beim CSD mitfährt

Mitten im CSD: Die Polizei Bremen fuhr mit einem Wagen mit.

Mitten im CSD: Die Polizei Bremen fuhr mit einem Wagen mit.

Foto: Twitter/StarbuckGen

Aufgeklebter Regenbogen und der Spruch „Proud to be your friend“: In Bremen ist die Polizei beim CSD nun als Teilnehmer mitgefahren.

Bremen.  Er war entstanden aus Wut und Protest gegen Diskriminierung durch die Polizei, jetzt gehört die Polizei zu den Mitstreitern: Beim Christopher-Street-Day in Bremen war erstmals ein Einsatzfahrzeug der Polizei im Regenbogendesign unter den Teilnehmern . „Ein beklebter Streifenwagen, so wie wir ihn hatten, das ist erstmalig in Deutschland“, sagt unserer Redaktion Sven Rottenberg, einer der beiden Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der Bremer Polizei.

Die beiden Ansprechpartner standen als Besatzungsmitglieder von Anfang an fest, einige Kolleginnen und Kollegen gesellten sich noch dazu. „Es war ausreichend, aber nächstes Jahr werden wir sicher mehr“, sagt Rottenberg. Sie saßen dann in dem Transporter – mit dem riesigen Regenbogen darauf und dem Spruch „Proud to be your friend“. Bereits zuvor hatte die Polizei in Berlin den von den niederländischen Kollegen entwickelten Slogan eingesetzt.

Aktion soll vorbehalte gegenüber Polizei abbauen

Er soll ausdrücken, dass die Polizei offen für Jeden ist und Angehörigen der LGBT-Community Ängste nehmen. Rottenberg selbst spricht von Zahlen, wonach 80 Prozent aller Übergriffe mit homophobem Hintergrund aus Angst vor Diskriminierung bei der Polizei nicht angezeigt würden.

„Das Ziel und der damit erhoffte Effekt ist natürlich, dass alle wissen, dass sie sich jederzeit an die Polizei Bremen wenden können“, so Rottenberg zu unserer Redaktion. „Wir wollen Bremen als Ort, an dem sich Menschen jeder sexuellen Orientierung und jeder geschlechtlichen Identität wohl und sicher fühlen.“ Die Beklebung ist auch nach dem CSD auf dem Fahrzeug geblieben. „Mal schauen wie lange noch. Wir hoffen lange.“

Polizei hatte 1969 Jagd auf Schwule gemacht

Einen längeren Abstimmungsprozess oder Widerstände habe es bei dem Plan einer Teilnahme nicht gegeben: „Es gab viel Begeisterung und Unterstützung.“ Es war der erste CSD in Bremen seit 20 Jahren. Die internen wie auch die externen Reaktionen auf den Regenbogen-Einsatz der Polizei seien „überwiegend positiv“ gewesen. Eine Rechtsaußen-Publikation erklärte die Bremer Gesetzeshüter dagegen nach dem „regenverbogenen Redesign“ homophob zur „Schwuppilei“. Der Autor trauerte offenbar den Zeiten nach, als das NYPD 1969 „die Jungs recht hart ran“ nahm. Das spielt auf die Anfänge des Christopher Street Days an.

Im Juni 1969 war es in der Kneipe „Stonewall Inn“ in der Christopher Street in New York nach monatelangen ständigen gewalttätigen Razzien gegen homo- und transsexuelles Publikum zu einem Aufstand gekommen, die in tagelange Straßenschlachten mit der New Yorker Polizei mündeten. Aus dem Gedenken zum Jahrestag wurden Straßenumzüge in aller Welt, in Deutschland erstmals 1979 in Bremen und Berlin.

Bereits beim CSD 2014 Teilnehmer in Uniform

Polizisten als Teilnehmer beim CSD hatte man in Deutschland erstmals 2014 gesehen: Da fand in Berlin die European Gay Police Association Conference statt. Nach einem bundesweiten Seminar in Hamburg hatten Anfang August 2017 die Teilnehmer ebenfalls zum teil in Uniformen am dortigen CSD teilgenommen. (law)