London

Bewegende Gedenkfeier für ermordete Politikerin

London.  15 Stunden vor Öffnung der Wahllokale zum Brexit-Referendum haben auf dem Londoner Trafalgar Square und in ihrem Heimatort Batley Tausende der ermordeten Labour-Parlamentarierin Jo Cox gedacht. Die Unterhausabgeordnete, die am Mittwoch 42 Jahre alt geworden wäre, hatte sich vehement für eine liberale Flüchtlingspolitik und auch für den Verbleib Großbritanniens in der EU eingesetzt. Sie war in der vergangenen Woche in ihrem nordenglischen Wahlkreis vermutlich von einem politischen Fanatiker getötet worden.

Cox’ Ehemann Brendan trat als einer der Redner bei der bewegenden Feier im Zentrum Londons auf. „Sie war Politikerin und sie hatte sehr eindeutige Sichtweisen“, sagte er. „Und ich glaube, dass sie wegen dieser eindeutigen Sichtweisen getötet wurde.“ In Großbritannien wird darüber diskutiert, ob der Tod von Cox dem „Remain“-Lager genutzt haben könnte, das für den Verbleib in der EU ist. In Umfragen hatte sich eine entsprechende Tendenz nach dem Verbrechen verstärkt. Der 52 Jahre alte mutmaßliche Mörder soll nach Medienberichten Kontakte zu einer Nazigruppe in den USA und zu einer südafrikanischen Rassisten-organisation gehabt haben.

Am Montag war bereits das britische Unterhaus zu einer außerordentlichen Sitzung im Gedenken an die 41-Jährige zusammengekommen. In einer Rede rief Labour-Chef Jeremy Corbyn zu einer höflicheren und behutsameren Politik auf. Das Land sei sich einig, „den Hass zu bekämpfen, der sie getötet hat“, sagte Corbyn vor dem Parlament. Die Tat erscheine immer mehr als ein „Akt extremer politischer Gewalt“ und ein „Angriff auf die gesamte Gesellschaft“, sagte Jeremy Corbyn. Mehrere jüngere Abgeordnete meldeten sich mit tränenerstickter Stimme zu Wort und hoben besonders das humanitäre Engagement von Cox etwa für Flüchtlinge hervor. Premierminister David Cameron würdigte Cox als „Stimme für die Menschlichkeit“. Zum Zeichen der Trauer hatten sich die Parlamentarier weiße Rosen angesteckt, auch auf dem leer gebliebenen Platz der getöteten Abgeordneten lag eine Rose.